Im März 2008 nutzte ich die Gelegenheit in der Salzburger Residenzgalerie wieder mal etwas über die Farben zu lernen. Diesmal war es das Rot.
Ich hatte schon einmal in der Galerie in der alten Salzburger Residenz eine Ausstellung über Farben besucht, damals ging es noch um alle Farben. Diesmal hatte sich die Galerie auf eine Farbe spezialisiert und ich war neugierig, wie das Thema gelöst wurde.
Denn die Farbe Rot ist ja keine gewöhnliche Farbe. Sie steht in unserem Leben für viele Dinge, sei es das Stop an der Ampel, sei das Frivole in so manchen Etablissements.
Oder sei es die Rolle der roten Farbe in Powerpointfolien. Wer den Gewinn eines Unternehmens in einem roten Farbbalken darstellen würde, würde kaum Verständnis ernten. Stellt er hingegen den Verlust in roter Farbe dar, versteht ihn jeder auch wenn es niemanden freut.
Aber zurück zur Ausstellung. Der Einstieg fand in Form von mehreren verschiedenen Farbtönen an den Wänden des ersten Raumes statt. Alle waren mehr oder weniger rot, wobei ich für mich überrascht feststellen musste, dass auch Ocker dazu gehörte.
Bei den Namen der Farbtöne gab es auch einige Auffälligkeiten. So gab es eine Farbe mit dem gruseligen Namen 'Caput mortuum' (Totenkopf) und von der Farbe Kapplack erfuhr ich, dass sie sehr teuer war. Was ich bei den mickrigen Namen nicht erwartet hätte.
In den nächsten Räumen wurde jedem Farbton ein eigener Raum gewidmet. Dabei wurde nicht nur die Geschichte des Farbtones erklärt, sondern es wurden auch Kunstwerke gezeigt, wo dieser Farbton Verwendung gefunden hatte.
Bei den Kunstwerken gab es eine schöne Mischung aus barocken Werken (z.B. Anthonis van Dyck, Bernardo Strozzi etc.) und zeitgenössischer Malerei (z.B. Hermann Nitsch, Eva Schlegel etc.)
Aus den Beschreibungen und aus eigenen Betrachtungen konnte ich dabei gut die Unterschiede in der Verwendung der Farbe zwischen alten und neuen Werken erkennen.
Während bei den alten Werken die Farbe meistens etwas andeutete, z.B. die Bedeutung der abgebildeten Person oder die Bedeutung der dargestellten Situation wurde in den modernen Werken die Farbe mehr und mehr zum Hauptgegenstand.
So war es für mich bei einer Skulptur eines knallroten Pilzes nicht mehr so klar, was im Mittelpunkt steht. Ein Pilz, der zufällig knallrot ist oder ist es viel mehr die Farbe Rot, die sich in Form eines Pilzes materialisiert hat.
Bei den besprochenen Farbtönen gefielen mir vor allem die Beschreibungen zu Pink und Purpur sehr gut. Pink ist ja heute so eine Art moderne Modefarbe, während Purpur in der Antike ein Beispiel für Luxus und Würde war.
Über die Herstellung wurde auch einiges erzählt, besonders interessant dabei die Präsentation der verschiedenen für die Farbherstellung verwendeten Pigmente in kleinen Schälchen. Und natürlich durften dabei zwei Purpurschnecken nicht fehlen.
Im letzten Teil der Ausstellung wurde auch auf die Rolle der Farbe Rot in der Kleidung eingegangen. Auch hier gab es neben der Präsentation von echten Kleidungsstücken der Vergangenheit auch das eine oder andere Kunstwerk der Gegenwart.
Interessant dabei ein Werk von Fides Becker, ein Paar roter Damenschuhe mit den Namen 'Extra Vergine'. Sehr edel ausgeführt, jedoch so zugeknöpft, dass man nicht hineinschlüpfen könnte. Soll angeblich die Jungfräulichkeit der Schuhe bewahren...
Insgesamt bot mir die Ausstellung einen netten Einblick in die Geschichte und Bedeutung der Farbe Rot.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite der Ausstellung