Im März 2008 besuchte ich das Heeresgeschichtliche Museum im Wiener Arsenal und sah mir eine Ausstellung über den Österreichischen Luftschutz an.

Die Ausstellung war sehr klein gehalten und erstreckte sich über den selben kleinen Raum, in dem ich schon ein Jahr vorher die Ausstellung über Ungarn 1956 gesehen hatte.

Diesmal ging es aber um den Luftschutz auf dem Gebiet des heutigen Österreichs, wobei konkret die Schutzmaßnahmen während der Ersten Republik (1919 - 1938) und während der Zeit im Deutschen Reich (1938 - 1945) betrachtet wurden.

Eine zeitliche Einschränkung, die ich etwas schade fand. Denn ich hätte auch gerne etwas über die Schutzmaßnahmen in der Zeit nach 1945 erfahren. Das sie nicht erwähnt wurden ließ für mich die Frage offen, ob es überhaupt welche gibt.

Kurz nach dem ersten Weltkrieg gab es diese Maßnahmen zweifellos. Zwar die österreichischen Städte nicht massiv bombardiert worden, aber alleine der Abwurf von Flugzetteln über Wien aus italienischen Flugzeugen zeigte, dass sie erreichbar waren.

Eines dieser Flugblätter war auch zu sehen, wobei ich den Text besonders interessant fand. Wurde doch den Wiener darauf geschmeichelt, sie wären ja gar nicht so dumm, es sei denn sie würden weiterhin für Preußen kämpfen.

Über den Luftschutz in der ersten Republik gab es jetzt außer einem Wochenschaubericht nicht soviel zu sehen. Bei dem Wochenschaubericht, der ein Luftschutzübung zeigte, fiel mir auf, dass man zu diesem Zeitpunkt noch große Angst vor Gas hatte.

Bei den ausgestellten Gegenständen fiel mir vor allem eine Zeitschrift auf, die sich dem Luftschutz widmete. Das war schon sehr überraschend, dass es damals eine eigene Zeitschrift zu diesem Thema gab. Es muss damals eine sehr unbehagliche Zeit gewesen sein.

Der größte Teil der Ausstellung war aber jener Zeit gewidmet, wo Österreich im Deutschen Reich aufgegangen war und quasi nach Berliner Maßstäben den Luftschutz probte und durchführte.

Hier gab es schon sehr viel mehr zu sehen. Zahlreiche Figurinen zeigten mir die Uniformen der damals am Luftschutz beteiligten Personen. Vom Hitlerjungen mit seiner blaugrauen 'Melder' Schleife angefangen bis über den Luftschutzwart und dem Feuerwehrmann.

In einem Film konnte ich drei Zeitzeugen zuhören, die die Zeit des Krieges als Kinder miterlebt hatten und dadurch den Gesichtspunkt der Kinder ins Spiel brachten. So wurde kurz nach dem Angriff schon mal im Bombenschutt nach brauchbaren Spielzeug gesucht.

Ansonsten war die Zeit keineswegs lustig. Noch immer hatte man Angst vor Gasangriffen, es gab sogar eigene Gasanzüge für Kleinkinder und sogar ein Gasbettchen für Säuglinge. Dies und vieles mehr konnte ich aus nächster Nähe betrachten.

Aus den Erzählungen der Zeitzeugen und aus diversen ausliegenden Anleitungen von damals entnahm ich, dass man große Hoffnungen in Brandbekämpfungsmethoden setzte. Da wurde Löschsand aber auch Löschpatschen bereit gestellt.

Aber der Gegner griff auch mit Sprengbomben an, mit verheerenden Folgen. Auf der ausgestellten Schadensliste konnte ich zu meiner Überraschung entnehmen, dass meine Heimatstadt öfters angegriffen worden war, als Wien oder Wiener Neustadt.

Zufällig gab es auch ein Abwurffoto über Graz in der Ausstellung zu sehen, so dass ich mir dadurch den Grundriss des damaligen Graz ansehen konnte. Aus einem Bombenplan von damals wusste ich ja bereits, dass das Haus meiner Großeltern nur knapp verfehlt worden war.

Auch eine amerikanische Fliegerbombe war in der Ausstellung zu sehen. Allerdings keine von diesen Exemplaren, die man aus dem Boden gezogen hatte, sondern eine fabrikneue. So konnte ich gut erkennen, wie komplex dieses Teufelszeug gefertigt war.

Aber auch die Verteidigungswaffen waren komplex. Als ich den Raum betrat dachte ich mir zuerst, ich würde in einer Ecke ein großes Notstromaggregat oder einen Kompressor sehen. Doch das große Gerät war in Wirklichkeit nur Teil einer großen Waffe.

Konkret war es der Verschlussteil (!) einer 12,8 cm Flugabwehrkanone, die auf den Flaktürmen von Wien eingesetzt worden war. Flaktürme, die heute noch das Stadtbild von Wien prägen.

Insgesamt hatte mir die Ausstellung vor allem durch die Figurinen und die Uniformteile den 'theoretischen' Luftschutz nähergebracht. Aus den Berichten der Zeitzeugen erfuhr ich dann aber rasch, wie die Praxis aussah.

Und angesichts des ausgestellten Leitwerks eines amerikanischen Bombers und dem Verschlussstück einer Abwehrkanone in der Größe eines Kompressors wurden mir auch die Dimensionen der eingesetzten Waffen klarer.

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