Im März 2008 besuchte ich Heeresgeschichtlichen Museum eine Ausstellung über einen Kriegsschauplatz im ersten Weltkrieg.

Bereits im Oktober 2007 hatte ich mir in Kobarid (deutsch: Karfreit, italienisch: Caporetto) jenes Museum angesehen, dass dort über die Isonzoschlachten zwischen Italien und Österreich-Ungarn berichtete.

Nun erfuhr ich, dass es im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien eine kleine Ausstellung geben würde, die von diesem Museum organisiert worden war.

Das wollte ich mir natürlich ansehen, um meine Eindrücke vom vergangenen Oktober aufzufrischen bzw. zu ergänzen. Die Ausstellung fand ich im ersten Obergeschoss des HGM im Wiener Arsenal vor.

Sie war sehr klein und bestand in erster Linie aus Fotos und Kartenmaterial. Die Beschriftung war in deutsch und slowenisch ausgeführt. Kobarid liegt ja heute in Slowenien.

Viele der Fotos kamen mir bekannt vor, doch hatte ich rasch den entscheidenden Unterschied zu meinem Museumsbesuch in Kobarid festgestellt.

Breite Panoramaaufnahmen des Krn Massivs zeigten mir anschaulich den Ort der damaligen Ereignisse. Rote und blaue Linien in den Aufnahmen zeigten mir die Stellungen der damaligen Gegner.

Das war für mich sehr hilfreich, das damalige Drama zu verstehen. Von Mai 1915 beginnend versuchten italienische Truppen bis Oktober 1917 in elf Schlachten die Stellungen von Österreich-Ungarn zu erstürmen.

Trotz mehreren 100.000 Toten auf beiden Seiten gab es nur geringe Geländegewinne. Im Oktober 1917 erfolgte ein Gegenangriff der verbündeten Armeen von Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich, welcher die italienischen Kräfte bis zum Piave zurückwarf.

Auf den ausgestellten Fotos war gut zu erkennen, dass das alles keine Feldschlachten wie zur Zeit Napoleons waren oder Bewegungsschlachten wie im Zweiten Weltkrieg.

Vielmehr mussten die Truppen jahrelang in großen Höhen in Barackenlagern oder Kavernen hausen. Im Karst waren sie mit Wassermangel konfrontiert, was nicht nur Durst sondern auch Hygienemängel hervorrief.

Manche Fotos dieser Mannschaftsunterkünfte erinnerten mich spontan an Slums in Südamerika, welche sich dort entlang von illegalen Bergwerken entwickelt hatten.

Während die einen in Baracken hausten, lebten die anderen in unterirdischen Stollen, die mir während meiner Fahrt durch das Gebiet des öfters aufgefallen waren. Andere Fotos zeigten Wachen, die an den Eiswänden ihrer Höhlen lehnten und wo selbst die Blicke erfroren wirkten.

Auch war der Kriegsschauplatz nicht einfach nur eben und überschaubar, er war vielmehr sehr steil. Die bereits erwähnten blauen und roten Linien fand ich zum Teil in alten Lagekarten vor, aber auch auf den Panoramafotos.

Und musste erstaunt feststellen, dass zwischen den Stellungen oft beträchtliche Höhenunterschiede lagen. Auch die weiteren Unterlagen offenbarten grausame Kuriositäten.

So waren die eingesetzten Kräfte sehr ungleich verteilt. Ungarische Lageberichte offenbarten mir, dass auf manchen Gebirgsgraten Truppen aus der ungarischen Tiefebene (!) italienischen Gebirgsjägern aus dem Piemont gegenüberstanden.

An anderer Stelle trafen junge italienischen Soldaten in ihrem ersten Kampfeinsatz auf österreichische Truppen,  die bereits das Stahlgewitter an der Ostfront mitgemacht hatten.

Fotos zeigten mir, dass die ungarischen Verbände am Beginn der Kämpfe sich ohne Stahlhelm durch das Karst bewegen mussten was mir angesichts der Splitterwirkung dieser steinigen Gegend einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ.

Der 12. Schlacht, welche von Österreich-Ungarn gewonnen wurde, waren auch einige Lagepläne und Fotos gewidmet. Hier hatte ich etwas Schwierigkeiten die blauen und roten Linien in ihren Höhen einzuordnen.

Trotzdem wurde mir anhand der Panoramafotos mit all diesen Gebirgsformationen einiges klarer. Vor allem eine Geschichte, die mir im Museum von Kobarid erzählt wurde, wonach italienische Einheiten auf ihren Höhenstellungen lange nicht bemerkten was in den Tälern sich abspielte.

Ich hatte die Ausstellung innerhalb einer Stunde durch gesehen. Die Fotos waren nicht so neu für mich. Das Kartenmaterial und die verschiedenen Maßnahmen, dem Betrachter die Höhenunterschiede in den Frontläufen klar zu machen, empfand ich als gelungen.

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