Im März 2008 besuchte ich im BA-CA Kunstforum eine Ausstellung über die Abstraktion in der Malerei. In dieser wurde ein Bogen von Monet bis heute geboten.

Wenn ich früher mit meinen Eltern auf ein Stück moderner Kunst gestoßen war und sich dieses Gemälde nicht sofort als Landschaft, Person oder Krug auf dem Tisch einordnen ließ, dann war es 'abstrakt'.

Abstrakt, dass hatte den Beigeschmack des nicht Künstlerischen, des nichts Darstellenden. Natürlich war das so nicht haltbar und nach einigen Ausstellungen zur Malerei wollte ich mich mal dem Abstrakten widmen.

Dazu kam mir eine Ausstellung im BA-CA Kunstforum an der Wiener Freyung gerade recht. Der Titel verriet mir, ich würde dort etwas über die Entwicklung des Abstrakten, beginnend von den 'Seerosen' Monets bis in die heutige Zeit erfahren.

Eigentlich ein gewaltiger Bogen, den die Ausstellungsleitung damit löste, in dem sie von den meisten besprochenen Künstler nur ein bis zwei Werke präsentierte.

Aber die Information lag ohnehin im Kleingedruckten, in diesem Fall in den sehr informativen Beschreibungen neben den Bildern. Durch diese Beschreibungen lernte ich nicht nur den Künstler sondern auch seine Herangehensweise an das Abstrakte kennen.

Auch die multimedialen Fähigkeiten des Audio Guides wurden bei dieser Ausstellung wieder sehr gut ausgereizt. Neben den normalen Hörtexten wurden auch weiterführende Bilder und Filme gezeigt.

So konnte ich mir auch Werke ansehen, die nicht für die  Ausstellung zur Verfügung standen. Auch wurden verschiedene Künstler beim Arbeiten gezeigt und dadurch die Entstehung ihrer Werke für mich transparenter gemacht.

Als Beispiel fällt mir dazu Lucio Fontana ein, den ich beim Aufschlitzen der Leinwand zusehen konnte, oder Jakob Gasteiger, wie er gerade seine Ölbilder mit einer Art Rechen bearbeitete.

Endgültig multimedial wurde es bei Brice Marden, der seine Werke gerne zur Musik von Bob Dylen erstellte. Und genau dieser Bob Dylen brummte mir nun in meinen Ohren, als ich mir das ausgestellte Bild von Marden ansah.

Von den ausgestellten Werken gab es natürlich wieder einige Stücke, wo ich vom Ideenreichtum und der Ausdrucksfähigkeit der Künstler beeindruckt war.

Da waren zum Beispiel die Seerosen von Monet, die zwar schon sehr stark abstrahiert dargestellt worden waren, aber für mich immer noch das Gefühl eines grünes Teiches vermittelten.

Ein alter Bekannter war für mich der Amerikaner Ad Reinhard mit seinem Werk, wo er eine Leinwand in gleichmäßigem Schwarz ausmalte. Bis jetzt fiel es mir immer schwer, seine Kunst zu argumentieren.

Dank der Bildbeschreibung fiel es mir nun leichter, die Idee hinter diesem Werk zu verstehen. Wie überhaupt verschiedene Ideen und Entwicklungen in der Ausstellungen gut erklärt waren.

So konnte ich auf dem Display meines Audio Guides verfolgen, wie aus einem schönen Baum durch ständiges abstrahieren jene merkwürdigen Gemälde wurden, für die Piet Mondrian berühmt wurde.

Und es wurde mir nun auch klarer, warum manche Künstler das Abstrahieren in der Kunst für so wichtig halten. Würde doch das Gegenständliche den Geist des Betrachters nur gefangen halten und ihn daran hintern, sich für das spirituelle zu öffnen.

Das dieses Abstrahieren natürlich irgendwann im totalen Schwarz von Ad Reinhard oder im Grau von Richter endet, zeigten mir dann die letzten beiden Räume. Aber zumindest Richter scheint sich dann doch wieder vom radikalen Grau abgewandt zu haben und brachte wieder schöne Farben in seine Werke.

Schöne Farben, die ich übrigens bei den Werken von Kandinsky erlebte, der irgendwie ein gutes Händchen dafür zu haben schien, eine heitere Stimmung in seine geometrischen Formen und Farben zu bringen, auch wenn nirgends ein Lächeln zu sehen war.

Bei dem einen ausgestellten Werk von Hermann Nitsch war ich auch von der Farbe überrascht, war sie doch diesmal nicht vom Rot seiner blutigen Schüttkunst dominiert.

Und bei Farbe muss ich jetzt auch Yves Klein erwähnen, der mit einem seiner Werke vertreten war, wo ich mir wieder mal, das von ihm selbst entwickelte Blau, in seiner unglaublichen Schönheit ansehen konnte.

Von den anderen ausgestellten Werken gefiel mir noch die Idee einer Künstlerin, die ihre ursprüngliche Gemälde zerschnitt und dann aus den Schnipsel eine Collage machte.

Oder die Erklärung von Kurt Kochensteidt, wann seiner Meinung ein abstraktes Bild fertig ist: 'Wenn es zurückschlägt'. Ja, genau so stelle ich mir Actionkunst vor. Maler gegen Bild, Bild gegen Maler.

Die Ausstellung bot mir neben schönen Bildern und schönen Ideen einen interessanten Zugang zu den Werken der abstrakten Malerei und wird mir in Zukunft helfen, diese Werke auch dann noch zu verstehen, wenn es mir bei deren Betrachten wieder mal Schwarz vor den Augen werden sollte.

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