Anfang April 2008 besuchte ich Schloss Ambras bei Innsbruck und besuchte dessen Rüst- und Wunderkammer, sowie die Ahnengalerie.
Auf meiner Rückfahrt von Igls unterbrach ich die Fahrt an der Haltestelle Tummelplatz, um von dort über einen kleinen Waldweg zum Eingang des Schlossparks von Ambras zu gelangen.
Es war gerade Mittag geworden, die Sonne hatte den Dunst vertrieben und scheinbar war ich der Erste, der sich nach dem schlechten Wetter in den Park traute.
An einem kleinen See stieß ich auf eine Vielzahl von verschiedenartigen Enten, die jedem Tiergarten Ehre gemacht hätten. Darunter auch die besonders schmucken Mandarinenten.
Also wanderte ich weiter zum Unterschloss, dem Eingangsbereich von Schloss Ambras. Der Anblick des Schloss ließ mich erbeben, der knurrende Magen hielt mich von der sofortigen Erstürmung ab.
Deshalb setzte ich mich für ein Mittagsmahl in das Schlossrestaurant, von dessen Freigarten ich einen wunderbaren Blick auf das Schloss hatte.
Während ich mein Bier trank tauchte zu meinem Erstaunen ein Pfau auf, welcher selbstbewusst an mir vorüber zog und zum Eingang des Ticketshops strebte, als wäre er dort angestellt.
Aber dann brach auch ich auf und begann meinen Rundgang in der Waffenkammer des Schlosses. Ich wusste, dass mich großartiges erwarten würde.
Denn Friedrich II hatte schon zu seiner Zeit die Rüst- und Wunderkammer nach musealen Gesichtspunkten gestaltet. Und einiges von damals war bis heute erhalten geblieben.
So wandelte ich also durch ein Museum von 'damals'. Nun, die Rüstkammer war eher modern geformt. Und doch gefiel sie mir besser als jene in der Wiener Hofburg.
Die Figurinen waren nicht nur mit Rüstungen sondern auch den restlichen Kleidern ausgestattet. Schautafeln und weitere Figurinen zeigten mir deutlich den Unterschied zwischen dem Stechen und dem Rennen bei Ritterturnieren.
In der Wunderkammer blieb ich dann für gut zwei Stunden. Es war einfach nicht möglich, die Kammer schneller zu durchschreiten, wenn man sich alles ansehen und im Audio Guide anhören wollte.
Hier wurden wundervolle Dinge aus verschiedensten Materialien präsentiert, wobei auffiel, dass die Gegenstände nicht thematisch gruppiert waren, sondern nach dem Werkstoff.
Wunderbare Korallen hier, Perlmutarbeiten dort. Gedrechseltes Elfenbein in der einen Vitrine, seltene Handsteine in der nächsten. Ein 'Werkzeugkasten' erinnerte mich doch stark an eine vergrößerte Ausgabe eines Schweizer Messers.
Andere Wunderbarkeiten bildeten ein Hirschgeweih, dass merkwürdigerweise aus einem Baumstamm heraus wuchs. Oder Bilder von Haarmenschen, deren Krankheit übrigens heute nach dem Schloss benannt ist (Ambras-Syndrom).
Durch all diese Wunder erwärmt eilte ich nun in den Spanischen Saal und wurde prompt etwas abgekühlt. Das lag aber an den kühlen Temperaturen dort.
Die Gestaltung des Saales war phantastisch. Es war zur Gänze mit Symbolen und Portraits ausgemalt. Dabei waren die Portraits gegenüber den Fenstern in eine Scheinarchitektur gesetzt, als ob der Raum auf beiden Seiten Fenster hätte.
Die dargestellten Herrscher wirkten recht gut gemacht. Lediglich bei Friedrich II. musste ich schmunzeln. Hatte er sich doch als Herkules samt Keule darstellen lassen und wirkte mit dieser Waffe doch eher wie ein Halbstarker der Gegenwart.
Über eine Treppe stieg ich nun in das Oberschloss hinauf. Dort erwartete mich ein wunderschön ausgemalter Hof und enorm lange Gänge, die sich auf drei Stockwerken verteilten.
Im Erdgeschoss beschäftige ich mich hauptsächlich mit der Schlossgeschichte und ihren Einwohnern. Unter anderem mit Philippine Welser, die Ferdinand II heimlich geheiratet hatte, weil diese Ehe nicht standesgemäß war.
In den oberen drei Stockwerken gab es eine Ahnengalerie zu sehen, wo aber nur zwei Stockwerke geöffnet waren. Hier war ich dann auch mit der merkwürdigen Kälte konfrontiert, die auf diesem Schloss herrschte.
Das Personal begrüßte mich dick eingehüllt in Mänteln, dicken Jacken und Pullovern. Und auch ich, der seine Jacke dummerweise in der Garderobe gelassen hatte begann langsam zu frieren.
Deshalb durchschritt ich die Ahnengalerie im Schnelldurchgang und beschloss, mir diese mal im Sommer näher anzusehen. Denn sie war so gänzlich anders als die langweiligen Galerien anderer Schlösser.
Hier wurde wie für den Geschichtsunterricht maßgeschneidert die Entwicklung Österreichs vom Anfang bis zur Zeit Napoleons an Hand seiner wichtigsten Herrscher und Herrscherinnen dargestellt.
Darunter waren auch viele Bilder, die ich wegen deren Wichtigkeit schon unzählige Male in Geschichtebüchern aber auch Kunstbüchern gesehen hatte.
Viele Gemälde stellten die Herzöge, Erzherzöge und Kaiser in ganzer Größe darf, was interessante Einsichten in die damalige Kleidung aber auch in Haltung und Erscheinung ermöglichte.
Zusätzlich erklärten modern gestaltete Ahnentafeln die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Familien und Häusern. Kurzum, hierher werde ich bald wieder kommen.
Zum Abschluss warf ich noch einen Blick in das Badezimmer des Schlossherren und war über seine Größe erstaunt. Denn die Wanne war in Wirklichkeit ein Becken mit wohl mehr als einem Meter tiefe.
Die Rückfahrt trat ich dann mit einem dieser roten Busse an, welche direkt vor dem Schlosseingang in Richtung Innenstadt wegfuhren.
Aber nicht ohne mich vorher von meinem neuen Freund dem Pfau zu verabschieden, der da keck auf einer Mauer auf mich wartete....
Weitere Reisenotizen und Links
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