Im April 2008 besuchte eine Ausstellung über die Wikinger in der Kunsthalle Leoben und lernte hier vor allem interessante Details über deren Schiffe kennen.
Nachdem ich schon 2004 in Bonn eine interessante Ausstellung über die Wikingerzüge durchs Rheinland gesehen hatte, wollte ich meine Eindrücke von damals in Leoben vertiefen.
In Leoben hatte ich ja schon einige interessante Ausstellungen über fremde Kulturen gesehen, wie zum Beispiel über die Völker Mittelamerikas oder über Grabfunde in China.
Nun ging es um die Wikinger. Ehrlich gesagt erwartete ich mir diesmal nicht so viel Gold und Geschmeide, wie bei den bisherigen Ausstellungen, wurde dann aber doch vom Gebotenen überrascht.
Die Ausstellung zeigte mir im Gegensatz zur Ausstellung in Bonn einen Gesamtblick auf die Geschichte der Wikinger, wobei mir besonders die Erklärungen zum Thema Schiffbau gefielen.
Den Beginn machte eine große Landkarte, die mir wieder in Erinnerung rief, wie weit die Wikinger auf ihren Kriegs- und Handelsfahrten gelangten.
So siedelten sie für kurze Zeit nicht nur an den Ufern Nordamerikas, sondern gründeten Reiche im heutigen Russland und trieben Handel mit den Leuten im heutigen Istanbul, dem damaligen Byzanz.
Bezüglich der Expansion der Wikinger waren zwei Abschnitte in der Ausstellung gestaltet, je eine für die Expansion nach Osten und nach Westen.
Dem kriegerischen Element der Wikinger waren eine Reihe von Waffen gewidmet, wo mir vor allem die Unterschiede zwischen Schwertern aus verschiedenen Produktionen verdeutlicht wurden.
Aber die Wikinger fuhren nicht nur zur See, sie errichteten auch Dörfer, wo vor allem die Frauen das Regiment führten, während die Männer in ihren Booten waren.
Eine Rekonstruktion eines solchen Hauses konnte ich mir von innen und außen ansehen, wobei mich hier speziell die Art des Flechtwerks interessierte.
Von dem ausgestellten Hausrat fand ich vor allem die Schlüssel interessant. Hatten die doch manchmal gar keine 'schließende' Funktion, sondern wurden von der Frau des Hauses eher als Statussymbol am Gürtel getragen.
Im Gegensatz zu den bisherigen Ausstellungen in Leoben gab es nun nicht all zu viel Gold zu sehen. Trotzdem fand ich das eine oder andere Stück faszinierend, wenn es auch eine gewisse derbe Größe hatte.
Nach der Darstellung der Handelsbeziehungen der Wikinger stieg ich ein Stockwerk tiefer, wo mich bereits ein geheimnisvolles Rauschen erwartete.
Das Rauschen stellte sich bald als akustische Kulisse zu einer Installation heraus, wo ein Wikingerschiff im Maßstab 1:1 an einer Felsenküste gestrandet gezeigt wurde.
Eine beeindruckende Installation, wo mir wegen der Dunkelheit, dem Meeresrauschen, dem Möwengekreische, den vielen Felsen und dem geborstenen Schiffsrumpf schon ein wenig fröstelte.
Die Illusion wäre ja fast perfekt gewesen, wenn die Museumsleitung nicht in ihrer Gründlichkeit jeden Holzstamm am Boden mit dem Schild "Betreten verboten" versehen hätte.
Trotzdem muss ich sagen, dass speziell ab dieser Stelle die Ausstellung für mich prickelnd interessant wurde. Auf mehreren Schaubildern wurden die einzelnen Teile des Schiffes sehr gut erklärt.
So konnte gut ich die überlappende Bauweise des Schiffsrumpfs erkennen, aber auch die unbequeme Anordnung der Ruderbänke. Viel geschlafen scheinen die Wikinger während ihrer Überfahrten nicht zu haben.
Ergänzt wurden diese Darstellung noch durch einen Film, der die Bergung eines Wikingerschiffes bei Haithabu in Schleswig-Holstein zeigte. Hier beeindruckten mich vor allem die gezeigten Ausgrabungs- und Konservierungsmethoden für so alte Boote.
Der nächste Teil der Ausstellung war dem religiösen Leben der Wikinger gewidmet, beginnend von ihrem ursprünglichen Glauben bis hin zur christlichen Religion.
Beeindruckend war hier für mich vor allem eine Kopie des Steins von Jelling, wo ich alte und neue Glaubensdarstellungen samt Runen vereinigt sah. Runen, die auch zum Teil erklärt wurden.
Der letzte Teil der Ausstellung war der Rezeption der Wikinger gewidmet, wo es darum ging, wie wir die Wikinger in Buch und Film wahrnehmen.
Die Wahrnehmung der Wikinger ist ja heute ein wenig verklärt, neigt man ja zu glauben, es würde sich dabei um ständig saufende und raufende Seeräuber mit komischen Hörner am Helm handeln.
Der letzte Teil der Ausstellung räumte aber mit diesen Vorurteilen gründlich auf, wie überhaupt die ganze Ausstellung sicher dazu beitrug, diese Menschen auch als Händler und Siedlungsgründer zu verstehen.
So gesehen würde ich sie auch als eine erfolgreiche Ausstellung in der langen Reihe von informativen völkerkundlichen Ausstellungen in der Kunsthalle Leoben sehen
Weitere Reisenotizen und Links
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