Im Juni 2008 flüchtete ich vor einem gerade einsetzenden Regen unter die Erde. Genauer gesagt ging ich in das Bergbaumuseum von Klagenfurt.
Dieses befand sich in einem System von ehemaligen Luftschutzstollen unter dem Kreuzbergl am Stadtrand von Klagenfurt. Der Eingang lag direkt im Botanischen Garten der Stadt.
Der Botanische Garten, eng angeschmiegt an einem aufgelassenen Steinbruch wäre mit seinem hohen Wasserfall schon sehenswert gewesen. Aber der Regen trieb mich unter die Erde.
Das Museum war zur Gänze in einem ehemaligen Stollensystem untergebracht, das während des Krieges der Klagenfurter Bevölkerung Schutz vor Luftangriffen bieten sollte.
Mehr über die Anlage und die Auswirkungen der Luftangriffe auf Klagenfurt erfuhr ich in einer Sonderausstellung in der unterirdischen Felsenhalle, die früher Befehlsstelle des Gaueinsatzstabes war.
Ein langer Gang führte mich dann zu den eigentlichen Themen des Bergbaumuseums. Auf einem knirschenden Kiesweg marschierte ich den Stollen entlang, bis ich auf die Mineralien stieß.
Diese befanden sich in einer Reihe von Vitrinen in einem Seitenraum der Anlage. Sanfte Musik umschmeichelte meine Ohren als ich den Raum betrat, wo es blitzte und funkelte.
Nur spärliches Licht erhellte die Vitrinen, so dass die auf schönen Tuch gelagerten Steine wie Teile eines kostbaren Schatzes wirkten. Ali Baba's Schatzhöhle muss wohl genau so ausgesehen haben.
Die nicht weit davon entfernte Goldhöhle wirkte da schon etwas bescheidener. Das machten dann die Ausstellungsgegenstände wieder wett, welche verschiedene Fundformen von Gold zeigten und auch Utensilien zur Goldgewinnung.
In einer Ecke, wo ich schon nichts mehr erwartet hatte, tat sich plötzlich ein neuer Stollen auf, in dem zwei hell erleuchtete Werkstätten ihre Fenster hatten.
So stand ich nun unter der Erdoberfläche von Klagenfurt in einer Höhle und gucke durch Fenster in eine Goldschmiedewerkstatt und in die Stube eines Vergolders.
Speziell die Werkstätte des Vergolders wirkte eindrucksvoll, sah ich doch neben dem ganzen Werkzeug auch halbfertige Werkstücke, wo man den noch fehlenden Arbeitsschritt gut erkennen konnte.
Fast möchte man glauben, der mit dem Werkstück beschäftigte Meister würde jeden Augenblick durch die nur angelehnte Tür an der Rückseite des Ladens auftauchen.
Aber ich hatte keine Zeit zu warten, ich wollte ja noch die restlichen Stollen des Museums begutachten. Ein weiterer Bereich führte mich in das Leben und die Symbolik der Heiligen Barbara ein. Der Schutzheiligen der Bergleute.
Über die Bergleute selbst erfuhr ich dann mehr auf den nächsten Stollenmetern, wobei mir zu meinem Schrecken, ein Sarg samt Inhalt ins Auge fiel.
Der Inhalt war zum Glück nur eine Puppe. Gezeigt wurden hier die Unterschiede Im Leben und im Sterben zwischen den einfachen Bergleuten und den vermögenden Gewerken.
Wie überhaupt sich die Bergbauthematik in diesem Museum mehr um den Menschen, seinem Leben, seinen Bräuchen und seinen Werkzeugen drehte und weniger um die großen Maschinen.
Lediglich zwei davon, darunter aber eine sehr interessante Gebus - Grubenlokomotive, sah ich auf meinem weiteren Spaziergang, der mich zu meiner Überraschung in einen Bereich über die Entwicklung des Menschen führte.
Hier wurde an Hand von Skelett- und Schädelrekonstruktionen gezeigt, wie wir uns vom affenähnlichen Wesen zum menschenähnlichen (Affen?) entwickelt haben.
Darunter zwei Kopien von bekannten Funden, die seinerzeit die Welt beschäftigten. Zum einen die Skelettreste von Lucie und zum anderen die mumifizierten Reste von Ötzi.
Meine Zeitreise unter der Erde Klagenfurts führte mich nun noch tiefer in die Vergangenheit und in einer schummrigen Ecke tauchte der riesige Schädel eines Sauriers auf.
Erklärungen über die Tierwelt der Urzeit folgten. Eigentlich ein eher langweiliges Thema, wenn man die vielen lateinischen Wörter nicht lesen mag. Aber die Fossilien vergangener Lebewesen inmitten von Felsen der Gegenwart zu betrachten, das hatte was.
Und wieder unterlag ich, wie schon bei meinem Spaziergang durch das Silberbergwerk Kuttenberg, einer Sinnestäuschung was meinen Standort unter der Erde betraf.
Als ich mir das Modell eines urzeitlichen Fisches ansah, fiel auf ihn das Licht der Außenwelt, das dekorativ durch den Wasserfall im Botanischen Garten in den Raum mit dem Fisch strahlte.
Ich war gar nicht mal so tief unten, ich war genau genommen auf Straßenniveau der Umgebung. Und so spazierte ich mit schnellen Schritten aus der Urzeit zurück ans Tageslicht der Kärntner Landeshauptstadt....
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite des Museums