Im Juni 2008 sah ich mir die gerade eröffnete Ausstellung über die militärischen Aspekte des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich an.

Die Ausstellung zeigte an Hand von einigen Objekten und viel Bild- und Kartenmaterial den Ablauf des Einmarsches in den Märztagen 1938.

Zusätzlich wurde gezeigt, wie die Verteidigung Österreichs geplant war und wie nach erfolgtem Anschluss die Übernahme der österreichischen Soldaten in die Deutsche Wehrmacht erfolgte.

Ich persönlich besuchte die Ausstellung mit der Erwartung etwas mehr über die Verteidigungspläne des Österreichischen Militärs und über die genaue Einmarschabläufe zu erfahren.

Vor allem hätte mich interessiert, wie sehr der tatsächliche Einmarsch zu den Verteidigungsplänen 'passte'. Durch Karten in der Ausstellung gelang mir das auch sehr gut.

So war jener Plan zu sehen, der von Feldmarschallleutnant Alfred Jansa gemeinsam mit der Operationsabteilung des Generalstabs ausgearbeitet worden war.

In Gegenüberstellung dazu konnte ich auf einer weiteren Karte den genauen Ablauf der Besetzung Österreichs durch die deutsche 8. Armee verfolgen, wobei sogar das tageweise Vorrücken gut sichtbar wurde.

Zum Beispiel wurde meine Heimatstadt Graz von Bodentruppen erst relativ spät erreicht, der Flughafen wurde aber sehr rasch von in Flugzeugen gelandeten Einheiten besetzt.

Umrahmt wurden die beiden Karten durch eine Vielzahl von Figurinen, die Uniformteile und Waffen des österreichischen Heeres und der deutschen Wehrmacht zeigten.

Hier konzentrierte ich mich mehr auf die österreichischen Figurinen, da ich Uniformen aus der Zeit der ersten Republik bisher noch nicht so oft gesehen hatte.

Die Figurinen waren im Maßstab 1:1 entweder in voller Größe oder als Halbfigurinen ausgeführt. Für Sammler wohl interessant waren auch einige ausgestellte 'Krauhs-Figurinen'.

Interessant dazu auch einige Fotos, die Fahrzeuge und schweres Gerät des österreichischen Heeres zeigten. Zum Beispiel eine Austria-Daimler Motorkarette (ADMK) oder Panzerkampfwagen vom Typ Fiat-Ansaldo CV-35.

In diesem Zusammenhang gab es auch vor dem Museum als Eye-Catcher einen alten Lastkraftwagen Typ AFL von Austro Fiat zu sehen.

Etwas merkwürdig und für mich eine neue Erfahrung waren jene Bilder, die die Übernahme der österreichischen Einheiten in die deutsche Wehrmacht zeigten.

Einige Einheiten waren ja sehr zu einem 'Gegenbesuch' in deutsche Städte kommandiert worden, unter anderem nach Berlin und Augsburg.

Die Uniformen waren aber noch nicht vollständig auf die neuen Verhältnisse umgestellt worden. So sah ich Fotos, wo die Soldaten noch den österreichischen Doppelkopfadler am Helm trugen, auf der Feldbluse prangte aber schon der Hakenkreuzadler.

Das die Übernahme in die Deutsche Wehrmacht unterschiedliche Karrieren auslöste, zeigten mir eine Reihe von bebilderten Biographien österreichischer Offiziere.

Manche machten Karriere bis in die höchsten Ränge wie zum Beispiel Generaloberst Alexander Löhr, manche fügten sich trotz anfänglichen Widerstand bald in die neuen Verhältnisse.

Andere verblieben im Widerstand und wurden hingerichtet, manche hatten gar keine Wahl, sie wurden wegen ihre Abstammung von Anfang an verfolgt.

Mit welcher Bürokratie die Übernahme der Offiziere erfolgte zeigten mir Dokumente der 'Muff-Kommission'. Eine Kommission unter Leitung des deutschen Militärattachés in Wien General der Infanterie Wolfgang Muff.

Sie sollte prüfen, ob die Offiziere sowohl militärisch aber auch politisch in die Deutsche Wehrmacht passen. Und ob man pensionierten Offizieren gegebenenfalls wegen politischer Unzuverlässigkeit die Pensionen kürzen sollte.

So konnte ich in einem Dokument nachlesen, wie man dem eingangs erwähnten Schöpfer des Verteidigungsplanes Jansa, eben wegen seinen Verteidigungsbemühungen die Pension zu kürzen gedachte.

Auf anderen Listen konnte ich in Kurzfassung nachlesen, warum der entsprechende Offizier verabschiedet wurde. Zum Beispiel wegen feindlichem Verhalten gegenüber den neuen Machthabern oder in einer makabren Weise wegen 'tot'.

So zum Beispiel im Falle General Zehners, der sich selbst tötete. Zur besseren Illustration hing in der Ausstellung jenes Bild, dass bei diesem Selbstmord durch die Patrone beschädigt wurde.

Was gab es noch zu sehen? Die Filmaufnahmen waren mir teilweise neu, zeigten sie auch Marschkolonnen in ansonsten weniger besprochenen Städten wie zum Beispiel Villach.

Bei einer Fotoserie lernte ich zum ersten Mal die Technologie des Raumbildalbums kennen. Eine Variante Abgebildetes dreidimensional darzustellen.

In Bezug zum österreichischen Bundesheer fiel mir noch eine Detail auf, wonach die Truppe in der ersten Republik nicht weniger als 80 Assistenzeinsätze durchführte.

Dazu gehörte neben den Einsatz bei Katastrophenfällen auch die Niederschlagung von Unruhen, welche von verschiedensten politischen Richtungen ausgingen.

Die Ausstellung war für mich interessant, da sie sich auf den rein militärischen Aspekt des Anschlusses von 1938 konzentrierte und beleuchtete, was die Österreicher in Uniform während und nach dieser Zeit erlebten...

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Lastkraftwagen AFL von Austro-Fiat
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