Im Juli 2008 besuchte ich die Ausstellung 'Blutige Geschichten' im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek.

Laut Werbung würde mich ein kulturhistorischer Streifzug durch die Welt der Verbrechen erwarten. Eine Schilderung der menschlichen Geschichte an Hand von blutigen Geschichte'n'.

Die Umsetzung des Themas interessierte mich sehr, außerdem wollte ich mir ohnehin mal wieder den Prunksaal mit seinen barocken Formen ansehen.

Die Ausstellung erstreckte sich nun auch entlang den geschwungenen Linien des Saales und bestand im Wesentlichen aus roten Schautafeln in Deutscher und Englischer Sprache.

Als gegenständliche Ergänzung zu den Texten fand ich Fotos, Unterlagen, Zeitungsausschnitte und Bücher aus verschiedenen Jahrhunderten vor. Das Meiste wohl aus den Sammlungen der Nationalbibliothek.

Darunter sehr wertvolle Bände, zum Beispiel alte Bibeln, die sich mit den biblischen Gewalttaten beschäftigten. Aber auch Zeitungsausschnitte, die über Gewaltverbrechen der letzten beiden Jahrhunderten berichteten.

Gewaltverbrechen! Alles begann ja mit Kain und Abel. Der erste Mord in der Menschheitsgeschichte, wenn auch ein erfundener. Leider blieb es nicht dabei, die echten Morde folgten bald darauf.

Gründe dafür gab es viele, die Ausstellung schien alle diese Gründe auf den Tafeln thematisiert zu haben. Menschenopfer, Kannibalismus, Staatsräson, aber auch der Tot als Strafe wurden angesprochen.

Die Abbildungen hierzu waren dem Thema entsprechend immer grausam, wenn auch die Grausamkeit in ihrem Stil wechselte. Am Anfang dominierten noch die Abbildungen aus Bibeln und alten Druckwerken.

Später aber wandelten sich die Bilder zu Fotos und wurden dadurch um einiges bedrückender. Grässlich zugerichtete Opfer wechselten sich mit zum Tode Verurteilte in ihrer letzten Minute ab.

Wobei aber die Fotos eher still für sich wirkten, quasi für jede Untat ein Foto, dass genügen musste. Die Fotos wirkten also nicht reißerisch, sondern nur ergänzend.

Die Ausstellung streifte dabei wohl alle Bereiche der menschlichen Gewalt, ging allerdings nicht wirklich in die Tiefe. Trotzdem hatten die Texte einen Lerneffekt für mich.

So lernte ich etwas über die Entstehung des Begriffes Kannibalismus, über die Hintergründe zur Hexenverfolgung und auch ein wenig über die Geschichte der Vereinheitlichung der Strafgesetze in Europa.

Auch so Spezialfälle wie Lynchjustiz vs. Tyrannenmord wurden thematisiert. Einer speziellen Form der Gewalt, dem Selbstmord, waren einige für besonders nachdenklich machende Fotos beigestellt.

Bei einigen Themen ging man bis in die jüngste Vergangenheit. So riefen mir einige Zeitungsartikel auch Verbrechen in Erinnerung, die die Zeitungswelt meiner Kindheit und Jugendzeit beschäftigten.

Erst gegen Schluss der Ausstellung konnte ich mich wieder ein wenig entspannen, als das Verbrechen in Schrift, Film und Bühne thematisiert wurde.

Obwohl ich mir bisher nie Gedanken gemacht hatte, wann die ersten Krimis geschrieben wurden, war ich dann doch überrascht, dass die ersten Kriminalromane erst im 18. Jh. entstanden sind.

Einige Autoren wurden extra genannt, darunter so legendäre wie Agathe Christie oder Edgar Allen Poe. Legendäre Verbrechen die in die Bühnenwelt eingingen wurden ebenfalls angerissen.

Aber damit endete auch schon die Ausstellung, deren Leistung wohl in dem weiten Überblick bestand, den sie mir bot. Besonders interessant fand ich dabei vor allem die Dokumente zur Kriminalitätsbekämpfung bzw. die Berichterstattung über Verbrechen der letzten beiden Jahrhunderte.

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