Im Juli 2008 vergewisserte ich mich im Wiener Globenmuseum, dass die Welt wirklich rund ist.

Das Museum war im ersten Stock des Palais Mollard in der Herrengasse untergebracht. Nach dem Besuch des Esperantomuseum im Erdgeschoss guckte ich natürlich auch hier vorbei.

Laut Eigendarstellung ist das Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek weltweit das einzige Museum, in dem Globen, Armillarsphären, Planetarien und Tellurien erforscht und präsentiert werden.

Und die Präsentation konnte sich wirklich sehen lassen. In mehreren Räumen wurde ich über die Geschichte der Globen, der Funktion, Herstellung und Vielgestaltigkeit informiert.

Ergänzend dazu konnte ich viele der angesprochenen Erd- und Himmelsgloben in Natura sehen. Darunter auch so alte Modelle wie der Mainzer Himmelsglobus aus dem 2. Jh. n. Chr.

Oder so prachtvolle Werke wie die von Gerard Mercator aus den Jahren 1541 bzw. 1551. Der Erdglobus dazu war auch virtuell abrufbar, wobei interessante zusätzlich Informationen eingeblendet worden waren.

So konnte ich die damals eingetragen Küstenverläufe gut mit den heute uns bekannten Verläufen vergleichen. Und sie da: Stark befahrene Küsten waren schon sehr genau verzeichnet, nicht so bekannte Gegenden wie Japan lagen aber noch mitten in China.

Gerade diese Entwicklung der Abbildungsgenauigkeit faszinierte mich besonders und so studierte ich bei den zahlreichen Globen (Schwerpunkt vor dem Jahre 1850) die Küsten- und Flussverläufe, sowie Landes- und Ortsbezeichnungen.

Bei den ausgestellten Privatsammlungen machte ich noch eine lustige Entdeckung. Einem der Globen war ein Leporello mit der Abbildung von 32 Volkstypen beigelegt. Darunter so exotische Volkstypen wie Irokesen (!), Österreicher (!!) und Tiroler (!!!).

Zwar waren diese Typen in diesem Fall auf einem Faltheft abgebildet, doch ähnliche Informationen gab es auch auf einer Vielzahl von ausgestellten Themengloben zu sehen.

Interessant wie sich dabei nicht nur die Themen sondern auch die Darstellungsformen änderten. So waren auf älteren Globen die Gebirge in Amerika noch in Form von Maulwurfshügel dargestellt.

Die eingangs erwähnten Armillarsphären erinnerten mich übrigens daran, dass man Globen auch gerne verwendete, um Berechnungen anzustellen. Zum Beispiel um Entfernungen zu bestimmen oder um die Sonnenstunden für bestimmte Tage und Orte zu berechnen.

Was mir an den Räumen im alten Palais Mollard noch auffiel, der Parkettboden war in wundervollen Mustern ausgeführt, als hätten ihn die Globenbauer nach Feierabend mit ihren Zirkeln selbst angelegt.

Neben dem Alten war aber auch das Neue präsent. An mehreren Bildschirmen konnte ich mir - didaktisch hervorragend aufbereitet - die Entstehung von Globen aber auch Landkarten ansehen.

Ich blieb ca. 2 Stunden in dem Museum und verließ es mit der Erkenntnis, dass die Beschäftigung mit Globen weit interessanter ist, als ich es in meiner Schulzeit noch vermutet hatte.

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