Nachdem ich schon jahrelang immer nur daran vorbei gefahren bin, besuchte ich im August 2008 Radstadt, eine Stadt im Pongau.

Ich erreichte die Stadt mit der Bahn, die ich im einzigen Bahnhof der Stadt verließ. Der Bahnhof lag ziemlich knapp an der Altstadt, jedoch tief drunter.

Das erklärte sich daraus, dass Radstadt auf eine Anhöhe errichtet wurde, die zusätzlich von einer starken Mauer mit festen Türmen geschützt wurde.

Beim späteren Bahnausbau blieb der Bahnhof außerhalb der Stadtmauern und so musste ich mir den Zugang zur Stadt erst durch einen steilen in Serpentinen gelegten Weg erkämpfen.

In der Stadt angekommen empfing mich eine Stimmung, wie man sie oft nach großen Festen erlebt. Bunte Fähnchen flatterten im Wind, aber niemand schien wo hin zu gehen, alle gingen zurück.

Zelte wurden abgebaut, Wege gesäubert, die rollende Infrastruktur für große Feste wurde wieder auf die dafür vorgesehenen Wagen geladen.

Ich hatte bei meinem Besuch eines der größten Feste in Radstadt versäumt: Das Gardefest, welches immer am ersten Wochenende im August begangen wird.

Auch wenn es nichts mehr zu feiern gab, essen wollte ich aber doch etwas. So setzte ich mich auf die Terrasse des Gasthauses Stegerbräu, wo ich bei einem schönen Blick auf die Radstädter Tauern eine Kaßpressknödelsuppe löffelte.

Anschließend verließ ich die gastliche Stätte und spazierte quer über den Stadtplatz in Richtung Oberes Tor, auch Salzburger Tor genannt. Trotz des Alters der Stadt - sie bekam ihr Stadtrecht im Jahre 1289 - wirkten die Straßen aber nicht besonders alt.

Die Stadt war mehrmals von Großbränden heimgesucht worden, was wohl dazu führte, dass zwar die Stadtmauern alt, die Häuser aber eher neu wirkten.

Ein Hauch alter Schönheit bildeten aber die zahlreichen Schilder und Wandmalereien an den Hausmauern. Auch der Rest des ehemaligen Stadtgrabens vor dem Salzburger Tor  war recht nett.

Er führte bis zum Teichturm, einen von den drei mächtigen Türmen, die die Außenansicht der Altstadt prägen. Der Stadtgraben, nun ein Stadtteich wirkte durch einige Skulpturen belebt.

Ein Abstecher zum Zeughaus hinter dem Teichturm erwies sich als Reinfall. Ich hatte mir ein Haus voller Rüstungen erwartet, tatsächlich war es ein Haus voller Bücher (Stadtbibliothek).

Auf dem weiteren Weg bis zum Schloss Lerchen kam ich noch an mehreren Tafeln vorbei, die mir zusätzliche Infos über Radstadt boten. Zum Beispiel über die Bedeutung der Stadt auf dem Gebiet des Porzellans und dem Ofenbau.

Im Heimatmuseum auf dem Schloss selbst blieb ich ca. eine Stunde. Hier guckte ich mir vor allem die Exponate über die Geschichte der Stadt zur Römerzeit an.

Nach dem Besuch des Museums wurde mein Wunsch nach einer kleinen Stadtumrundung entlang der Außenmauern von einem heftig aufbrausenden Sturm deutlich abgekühlt.

Mit wirrem Haar und verzwickten Blick kämpfte ich mich in Richtung der Stadtmauern zurück. Vorbei an einigen wenigen Passanten, deren Frisuren und Blicke auch nicht eleganter wirkten.

An den Mauern angelangt, stieß ich auf eine im Boden eingelassene Zahl: 996. Ein wichtiges Datum für Österreich. Denn es war vor rund 1000 Jahren, als der Name Österreichs zum erstem Mal urkundlich erwähnt wurde.

Ich war also auf den Milleniumsweg von Radstadt gestoßen. Ein Weg, wo ich in 1.000 Schritten die Geschichte der Stadt und Österreichs von damals bis heute erklärt bekommen würde.

So marschierte ich bei Sturm und Wetter durch die Jahrhunderte, kürzte aber bei der Stadtpfarrkirche ab. Ich wollte mir auf dem Friedhof den Schusterturm ansehen, eine spätgotische Lichtsäule..

Diese aus dem Jahre 1513 stammende Säule hatte all die Brände überlebt, unter die die Stadt so gelitten hatte und war für mich der verbliebene Anknüpfungspunkt an die alten Zeiten.

Dann kehrte ich wieder zum Milleniumspfad zurück um gleich darauf beim Steirertor zum Kapuzinerturm einzuschwenken. Dieser bildete den zweiten Teil des Heimatmuseums von Radstadt.

Hier hielt ich mich nur wenige Minuten auf. Im Inneren des mächtigen Turmes wurde vor allem bäuerliches Gerät präsentiert. Eine auf die Umfahrungsstraße von Radstadt gerichtete Kanone wies auf den Verteidigungscharakter des Turmes (auch gegen Autos?) hin.

Anschließend setzte ich meine 1.000 Schritte durch die Geschichte Österreichs fort, bis ich bei 1529 - die Türken belagerten gerade Wien - wieder in Richtung Bahnhof abbog.

Mein Zug rollte bereits heran, die restlichen 450 Jahre österreichische Geschichte werden bis zu meinem nächsten Besuch warten müssen...

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Teichturm in Radstadt
1 Teichturm

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