Im September 2008 besuchte ich in Tulln das Römermuseum in einem ehemaligen Frauenstift und sah mir einen fast vollständigen Hufeisenturm aus der Spätantike an.

Im Jahre 80 n. Chr. hatten die Römer ihre Nordgrenze an die Ufer der Donau verlegt und begannen mehrere Kastelle zur Überwachung der nassen Grenze zu errichten.

Eines dieser Kastelle nannte sich Comagenis und beherbergte eine Einheit mit rund 1000 berittenen Bogenschützen (ala milliaria sagittaria)

Aus den Resten dieses Kastells entwickelte sich später die niederösterreichische Bezirkshauptstadt Tulln und die Fundstücke aus der römischen Zeit wanderten ins Museum.

Dieses Museum befand sich zum Zeitpunkt meines Besuches in den Räumen des ehemaligen Frauenstiftes von Tulln im Marc Aurel-Park.

Beim Anmarsch vom Bahnhof Tulln hatte mir bereits eine riesige Statue von Marc Aurel den Weg gewiesen, eine Statue des Jupiter Dolichenus vor dem Eingang beseitigte jeden Zweifel.

Die Räume des Museums atmeten noch die Luft des Stifts, der Boden bestand aus roten Ziegelsteinen, die weißen Decken wölbten sich über den Vitrinen und Figurinen.

Die Figurinen zeigten mir die Ausrüstungsgegenstände römischer Soldaten aus verschiedenen Jahrhunderten. Bei einer Figur des 4. Jh. erstaunte mich die modern wirkende Form der Wurfpfeile.

Interessant auch Figurinen, die Einheimische in ihrer lokalen Tracht zeigten, bei einem so genannten Sueben faszinierte mich  besonders der für diesen Stamm typische Suebenknoten im Haar.

Da Comagenis in erster Linie eine militärische Anlage war, widmeten sich die Schautafeln des Museums auch hauptsächlich dem Militär.

Neben Darstellungen bzgl. dem Aufbaus einer Römischen Legion wurden auch Photocollagen von den anderen Kastellen an der Donaugrenze gezeigt.

Die Kinder einer gleichzeitig mit mir anwesenden Familie interessierte das aber herzlich wenig. Sie bestürmten stattdessen jene Vitrinen, die römischen Truppen in Form von Zinnsoldaten präsentierten.

Eine Präsentation, die für mich neu war. Was ich auch noch nicht so oft gesehen hatte waren bunt bemalte Grabsteine, bzw. in Rot nachgezogene Inschriften auf weiteren Steinen.

Lange Zeit blieb ja die Buntheit der Antike dem Besucher solcher Museen verborgen, da man die ausgestellten Stücke nur in der vorgefundenen Form präsentiert hatte.

Begeistert war ich dann in dem kleineren zivilen Teil des Museums. Hier wurde eine Rekonstruktion von Wandmalerei gezeigt, wo ein bunter Gimpel vorwitzig im Geäst eines Baumes saß.

Auch wenn die Römer keine Poster von Filmstars hatten, schön bemalte Wände hatten sie allemal. Weitere Funde aus der Zivilsiedlung klärten mich über Grabrituale und Religion auf.

Nach dem Besuch des Museums spazierte ich noch zu zwei Zeugen der römischen Befestigungswerke. Die Fundamente des östlichen Lagertors lagen auf der Rückseite des Museums.

Leider konnte ich sie nur durch ein großes Schaufenster bewundern, da die staatlichen Reste zur Gänze überdacht wurden. Dafür wurde ich aber mit einem prächtigen Blick auf einen Hufeisenturm entschädigt.

Dieser befand sich ein paar Minuten entfernt und gilt bis unter die Dachkante als original römisch. Die Reste eines Fächerturms konnte ich leider nicht besichtigen, da diese nur im Rahmen von Führungen zugänglich waren.

Vielleicht nutze ich mal eine dieser Führungen, um mir den doch sehr speziellen Grundriss eines Fächerturms anzusehen. Aber für diesen Tag hatte ich genug gesehen und ich machte mich auf die Suche nach einem Gulasch, natürlich mit Fächergurken...

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Hufeisenturm (Tulln)
1 Hufeisenturm

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