Im September 2008 besuchte ich in der Wiener Galerie Westlicht die Fotoausstellung 'Word Press Photo 08' und lernte die Welt von vielen neuen Seiten kennen.

In der Wanderausstellung wurden rund 200 Fotos präsentiert, die von der Organisation Word Press Photo als die besten Pressefotos des Jahres 2007 ausgewählt wurden.

Die Bedeutung der Fotos schien sich in Wien bereits rum gesprochen zu haben, jedenfalls war die Galerie an diesem Abend recht gut besucht und ich hatte Mühe an die Fotos ran zu kommen.

Einer kurzen Einführungstafel entnahm ich, dass man dabei darauf achtete, besonders interessante Fotos auszuwählen und weniger die Themen berücksichtigte.

Trotzdem empfand ich selbst die abgebildeten Thematiken wichtiger als die handwerkliche Ausführung der Fotos. Die Themen reichten von Natur und Kultur über Sport bis hin zu den tragischen Aspekten unseres Lebens wie Krieg, Gewalt und Tod.

Was die Ausstellung für mich sehenswert machte, war das auffallende Vorhandensein von Themen, denen man nicht täglich begegnet.

So lernte ich seltene Religionen und zumindest für mich unbekannte Traditionen, wie zum Beispiel das öffentliche Geschichten erzählen in chinesischen Cafés, kennen.

Auf dem Gebiet der Gewalt waren die sattsam bekannten Konflikte in Afghanistan und Afrika vertreten, hier aber mit Bildern, die mir die Tragik näherbrachten oder neue Blickwinkel boten.

Zum Beispiel fand ich ein Bild eindrucksvoll, wo sich afghanische Zivilisten und ein US-Soldat mitten in einem Laubwald gegenüber standen. Eindrucksvoll fand ich hier vor allem die Schönheit des Waldes, etwas was einfach in dem ganzen Konflikt untergeht.

Untergehen tun scheinbar aber auch viele andere Dinge. So war ich über Fotos von Flüchtlingslagern in Frankreich genau so überrascht wie Hinweise auf das Töten von Narwalen.

Die Bildbeschreibungen boten mir ständig etwas Neues, so dass ich jede einzelne davon las und ständig auf neue Aspekte unserer Welt stieß.

Auf die Qualität der Fotos achtete ich dabei immer weniger und weniger, vielmehr interessierten mich die Infos zu den Motiven. Bei einigen Fotos blieben mir aber auch die Motive in Erinnerung.

So zum Beispiel bei einer Pferderennbahn in Australien, die in einer derartigen Einsamkeit zu liegen schien, dass man nur eine Bahn des von mir erwarteten Ovals zu sehen bekam.

Oder das Bild einer Landschaft in der Arktis, wo mich wieder die Beschreibung auf das Problem hinwies, dass man hier gerne gegen den Willen der Bevölkerung nach Öl bohren würde.

Bei all diesen Eindrücken und Neuigkeiten vernachlässigte ich leider total die Namen der Preisträger zu lesen oder sie mir gar zu merken. Diese mögen mir das verzeihen.

Obwohl ich mir ursprünglich nur vorstellen konnte, dass ich bei dieser Ausstellung das eine oder andere Motiv sehen würde, verließ ich die Ausstellung nun mit einem gänzlich Eindruck.

Ich hatte den Eindruck, dass man sich diese Preisträger der Pressefotografie jedes Jahr ansehen sollte. Aber nicht um Ideen für die eigenen Fotos zu sammeln, sondern um mehr über die Welt zu erfahren...

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