Im Dezember 2008 besuchte ich im Innsbrucker Ferdinandeum eine Ausstellung über das Phänomen der Wilderer.

Nach dem Besuch der Ausstellung 'Bahnbrechend, 150 Jahre Eisenbahnen in Tirol' im Innsbrucker Zeughaus zog ich weiter ins Ferdinandeum.

Dies war die Zentrale der Tiroler Landesmuseen, in der gerade eine Ausstellung über das Phänomen der Wilderei gezeigt wurde. Ein Thema, das mir bisher in erster Linie aus Heimatfilmen bekannt war.

Neugierig betrat ich die auf zwei Stockwerke verteilte Ausstellung. Neugierig darauf was man aus so einem Thema machen kann und was ich neues erfahren würde.

Der erste Bereich erschien mir noch etwas simpel. Ich bewegte mich durch einen Wald von Baumstämmen, wo auf Schildern verschiedene Motivation für die Wilderei angeschlagen waren.

Geräte der Strafe wie etwas die Schandkappe oder das Hackbeil folgten gleich danach. Die Schandkappe war mit einem Geweih versehen, was mich an Witze im Zusammenhang mit einem Geweih tragen erinnerte.

Der restliche Bereich war gefüllt mit allerlei ausgestopften Tieren, die zum Teil an dünnen Fäden im Raum hingen. Mit bereit gelegten Feldstechern konnte ich diese nun beobachten.

Ein schönes Erlebnis waren eine Vielzahl von Tierfellen, die man berühren durfte. Während ich mit meiner Hand über all diese Felle strich wurde mir klarer, warum manche Menschen so auf Pelze stehen.

Das Tragegefühl ist einfach etwas besonderes. Wenn ich mal vom letzten Fell absehe, das scheinbar von einem Wildschwein stammte. Widerborstig und kratzig...

Aber natürlich wäre es schade, wenn man Tiere nur wegen diesem Tragegefühl töten würde. Und bei vielen Tieren ist es sogar ausdrücklich verboten.

Was aber einem Wilderer nicht kümmert. Und damit war ich im 2. Stockwerk und wieder beim Thema. Fotos und Filme zeigten mir, wie zum Beispiel im Afrika Tiere grausam getötet werden.

Ein prächtiges Paar sich paarender Tiger erinnerte mich daran, dass man Tiere oft auch nur wegen so vagen Vermutungen wie  potenzfördernder Substanzen jagte.

Wobei dieses Tigerpaar noch einen anderen Vorteil für mich hatte. Noch nie hatte ich Gelegenheit einem Tiger ins Maul zu sehen. Und ich war überrascht wie klein die meisten seiner Zähne waren.

Eine weitere Überraschung bot mir dann jener Bereich, wo die verschiedenen Mittel zum Vogelfang gezeigt wurde. Ich hatte schon öfters von Vogelfallen und Schlingenfang gehört.

Aber ich konnte mir bisher nicht vorstellen, wie solche Fallen aussehen würden. Sie sehen grausam aus und ähneln in manchen Fällen durchaus den Falleisen z.B. für die Fuchsjagd.

Der letzte Teil behandelte dann verschiedene Wildererschicksale. Die Biographien zeigten mir recht eindrucksvoll wie zwiespältig die Haltung der Bevölkerung gegenüber Wilderer war und ist.

Denn das Verbrechen der Wilderei wurde von der Bevölkerung anders bewertet als von der durch dem Wilderer geschädigten Obrigkeit.

Zwei Reportagen zeigten mir dann auch zahlreiche Wilderer, die von ihrem Handwerk erzählten. Die meisten Texte wurden dabei mit Untertitel gezeigt, da das Tirolerische nicht für jeden Besucher verständlich ist.

Ich selbst hörte mir aber die Texte und Diskussion zwischen Wilderern und Jägern aber im Original an und musste über die zum Teil recht entschärften Untertitel schmunzeln...

So wurde aus einem "Wenn'st a Viach schiaßt, dann friß es a" ein höfliches "Wenn du schon ein Tier schießt, dass solltest du es auch essen"

Und dabei fiel mir ein, dass ich mir für die Heimreise noch ein paar Tiroler Speckbrote besorgen wollte. Und mit diesem Ziel vor Augen verließ ich die Ausstellung  in Richtung Hauptbahnhof...

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