Im November 2009 besuchte ich im Kunst Haus Wien eine Photoausstellung mit Werken von Annie Leibovitz.

Das war nun schon die zweite Ausstellung über die berühmte Portraitfotografin im Kunsthaus. 1993 wurden hier ihre Werke aus den Jahren 1970 - 1990 gezeigt.

Damals hatte ich diese Ausstellung versäumt, diesmal stand ich kurz nach Ausstellungseröffnung auf dem leicht gewellten Boden des von Friedensreich Hundertwasser gestalteten Kunst Hauses.

Die Fotoausstellung ist wieder im dritten Stock untergebracht. Schnaufend schleppe ich mich nach oben. Oben angekommen merke ich gleich: Diese Ausstellung ist deutlich besser besucht als vergangene Fotoausstellungen.

Annie Leibovitz scheint ein Star zu sein. Ich selbst kenne noch nichts von ihr. Außer ein paar Fotos, die ich anlässlich der Ausstellung in der Zeitung gesehen habe.

Etwas irritiert bin ich von zwei Wandflächen die voller Fotoabzüge sind. Nicht kommentiert ein Fotoabzug nach dem anderen. Es ist mühsam sie alle anzugucken.

Erst später wird mir klar was diese beiden Fotowände zu bedeuten haben. Zunächst aber bewege ich mich entlang der anderen Bilder, die zum Teil recht geschickt aufgehängt sind.

Da bilden vier kleinformatige Fotos von ein und der selben Situation eine Art Minifilm. Eine gute Idee eine einzige Situation dynamischer abzubilden.

Spannend die Abbildung von so manchem Star. Die schwangere Demi Moore ist in ihrer ganzen Schönheit sowieso Kult. Bei den Männern fällt mir Mick Jagger auf. Der war auch mal schön.

Die Fotos aus Sarajewo sind erschreckend. Eine Blutspur neben einem Fahrrad lässt Böses ahnen. Ich ärgere mich über den Hass jenes Schützen der den im Bild nicht mehr sichtbaren Jungen getötet hatte.

Da sind Portraitfotos schon wieder angenehmer. Das Foto von Queen Elisabeth von England überrascht mich. Diese erinnert mich in ihrem einfachen Mantel mitten im Wald mehr an eine Försterin.

Bei den abgebildeten US Generälen kommt mir die Frage in den Sinn was für einen Sinn Ordensspangen haben sollen? Gewiss, sie sagen etwas über ihren Träger aus, aber wer würde bei einem persönlichen Gespräch mit Mr. Schwarzkopf dessen Orden zählen?

Die Fotos von der Familie der Fotografin gefallen mir nicht. Sie sind mir zu privat. Aber für die Abbildung des Werkes von Leibovitz sind sie wohl wichtig, die erklärt hatte, dass sie keinen Unterschied zwischen einer privaten Aufnahmen und einer Auftragsarbeit macht.

Die Landschaftsaufnahmen berühren mich nicht wirklich. Spannend aber die Detailaufnahmen der Pariser Oper. Irgendwann hat man genug Fotos von der ganzen Oper gesehen und man freut sich einfach über Details.

Ein Film in einer kleinen Kammer zeigt mir Annie Leibovitz bei der Arbeit, dokumentiert Aussagen von Damen und Herren aus ihrem Umfeld. Zeigt auch gut wie ihre Karriere bei dem Magazin Rolling Stone verlief.

Ich lerne viel über die Gründe ihres Erfolges aber auch über das Für und Wider in ihrem Geschäft. Es wird mir bewusst, mit wie vielen Menschen man es zu tun hat, bevor ein vernünftiges Foto auf Film gebannt ist.

Jetzt ist mir auch klar, welche Bedeutung diese Fotowände haben. Sie wurden während der Vorbereitung für die Ausstellung verwendet um die passenden Fotos auszuwählen.

Der Film endet abrupt. Es ist 19:00, das Kunst Haus schließt seine Pforten. Voller Inspiration ziehe ich in das Cafe im Erdgeschoß des Hauses, wo die Küche leider auch gerade schließt.

Künstlerschicksal: Viel Inspiration im Kopf aber nix im Magen..

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