Im März 2010 besuchte ich im Wien Museum eine Fotoausstellung mit Werken des Schriftstellers Gerhard Roth.

Eigentlich kannte ich Gerhard Roth bisher nur als Autor. Zum Beispiel stammt der Romanzyklus 'Die Archive des Schweigens' von ihm.

In seinen Werken betätigt sich Gerhard Roth gerne als Aufdecker und diesem Motto scheint er auch bei seiner Sammlung von Fotos treu geblieben zu sein.

Zumindest zeigt er mir mit seinen Werken ein eher unbekanntes Wien, dass nun quasi an die Öffentlichkeit gezerrt wurde. Schöne aber auch makabre Details dringen an mein Auge.

Zunächst die schönen Details. Da wäre zum Beispiel eine Serie von Fotos mit Eisblumen. Jene faszinierenden Strukturen an gefrorenen Fensterscheiben, wie ich es noch von kleinen Häuschen auf dem Lande kannte.

Und die makabre Seite. Fotos vom Narrenturm in Wien. Wo man früher die Geisteskranken versorgte. Fotos von deformierten Körpern in Reagenzgläsern belasten meinen Magen.

Ein Skelett aus der selben Sammlung verfügt über eine merkwürdig eingerückte Rippe. Ein Kunstfehler beim Aufstellen des Exponats? Oder Abbild einer weiteren Deformation.

Und dann etwas Skurilles wie der Heldenberg. Und auch Triviales wie das Flüchtlingslager Traiskirchen. Ein Ort, der ständig in der Zeitung Erwähnung findet, von dem es aber kaum Fotos gibt.

Nicht so bei Gerhard Roth. Seine Werke zeigen mir die Menschen in ihren Räumen im Lager Traiskirchen. Und ein Feldbett mitten im Raum zeigt mir die enden wollende Bequemlichkeit dieser Stätte.

Es gibt auch einen Film über all diese Orte, der aber sehr lange dauert. Ich wünschte mir, ich hätte mir mehr Zeit für die Ausstellung genommen.

Zurück nach oben

Weitere Reisenotizen und Links
Webseite des Wien Museum

© Impressum