Schaezlerpalais in Augsburg

Schon mehrmals fiel mir das Schaezlerpalais beim Lesen der Augsburger Reiseführer auf. Als ich nun meinen Besuch im römischen Museum von Augsburg beendet hatte, ging ich kurz entschlossen mal in dieses Palais hinein. Laut Reiseführer handelte es sich um ein Gebäude aus der Zeit des Spätrokokos mit einem sehr schönen Festsaal und einige bedeutende Sammlungen von Meisterwerken (Dürer, Holbein, Canaletto, Cranach u.a.)

Lage

Der Weg dorthin dauerte nur zwei Minuten, da es sich auf mittlerer Höhe der Maximilianstraße befand. Als Augsburgbesucher wird man sehr schnell diese Straße finden, da sie eine der touristischen Hauptachsen in Augsburg bildet.

Eintritt

Der Eintritt betrug für mich 3 Euro und war gleich beim Eingang des Palais zu entrichten. Einen Museumsshop gab es nicht, aber es waren jede Menge Ansichtskarten zum Verkauf ausgelegt.

2. Stock

Ich begann im zweiten Stock und war zunächst ziemlich enttäuscht. Alle Räume waren bis auf die Bilder an den Wänden leer. Und die Bilder mögen für Kunstexperten etwas bedeuten, waren aber für mich vom Motiv und von der Technik nichts sagend.

Deshalb marschierte ich ziemlich schnell durch die Räume und begann mich für andere Details zu interessieren. Wie sind die Räume angelegt, gibt es Kamine zu sehen, usw. Bei den Räumen war es spannend zu sehen, dass sie eine fast endlose Flucht bildeten, ich quasi durch das sehr lange Palais von einem Ende bis zum anderen durchblicken konnte.

Zwischendurch stieß ich dann doch auf den einen oder anderen bekannten Namen oder auf das eine oder andere schöne Motiv. Zum Beispiel stand ich längere Zeit vor dem Bild „Jakob Fugger“ gemalt von Albrecht Dürer. So sah also der berühmte Fugger aus!

Besonders schön fand ich das Bild „Piazza San Marco in Venedig“ von Canaletto. Das war ein super Bild mit all diesen tollen Details in der Architektur der Häuser am Markusplatz. Lediglich bei den Personen scheint der große Meister nicht so viel Mühe aufgewandt zu haben.

1. Stock

Aber diese Beurteilung möchte ich jetzt doch den Kunstexperten überlassen. Im ersten Stock gab es dann zu Abwechslung auch noch andere Dinge als Gemälde zu sehen. So wurde in einem Raum Geschirr gezeigt, das man für das prachtvolle Frühstück vergangener Zeiten verwendete. Auch ein altes Klavier konnte ich entdecken.

Das Spannendste folgte aber einige Räume später. Für mich völlig überraschend wurde es in einem Raum fast schon kriminalistisch. Es wurde ein Bild gezeigt, bei dem man mit aufwendiger Röntgentechnik beweisen konnte, das es übermalt wurde. Es war spannend zu sehen, wie auf der Röntgenaufnahme unter dem sichtbaren Bild ein anderes auftauchte.

Und gleich daneben die Sache mit dem Schmetterling. Wohl niemand hat sich bisher darum gekümmert, warum manche Maler die Schmetterlinge so genau malen konnten. Hier fand ich die Lösung: sie heißt Abklatschtechnik. Dabei werden Schmetterlingsflügel auf das noch unfertige Bild gepresst. Der damit gewonnene Abdruck ist dann schon das Abbild des Schmetterlings. Wer das nicht weiß, hält das für gemalt.

Nach diesem Exkurs in alternative Maltechniken kam ich dann endlich in jenen Saal, der mich ursprünglich am meisten interessierte: Der prachtvolle Rokokosaal, der auf allen Fotos zum Schaezlerpalais zu sehen ist. Leider ist er in natura längst nicht so prachtvoll. Man merkt stark, das man echte Sorgen mit der Bausubstanz hat. Bei meinem Besuch wirkten auch größere Abdeckungen aus Spanplatten sehr störend.

Nach dem eher enttäuschenden Saal entdeckte ich aber wieder etwas interessantes. Es waren so genannte Bildtapeten, die mit schwarzweißen Tönen verschiedene Schlachten Napoleons in Italien darstellten. Diese Darstellungen waren wirklich sehr eindrucksvoll und vermittelten ein beklemmendes Gefühl für das, was sich damals abgespielt haben mag.

Hinter diesem kleinen Raum ging es dann noch interessanter weiter. Durch eine Glastür verließ ich das eigentliche Palais und stand plötzlich – in einer Kirche! Ich war in die benachbarte Katharinenkirche gelangt, die heute die Staatsgalerie der Altdeutschen Malerei beherbergt.

Hier hatte ich erstmals wieder das Gefühl, dass mich die gezeigten Gemälde begeisterten. Es waren Darstellungen von den berühmtesten Kirchen Roms. Der Stil war allerdings sehr speziell, so eine Mischung aus anziehender aber auch erschreckender Faszination. Wer sich heute über grausliche Bilder im Internet aufregt, sollte sich mal die Kirchenbilder des Mittelalters ansehen. Da spritzt das Blut genauso oft.

Nach diesem sehr interessanten Abschluss marschierte ich eilends wieder zum Ausgang zurück und beendete für diesen Tag alle kulturellen Aktivitäten.

Resümee

Als ich das Palais betrat, hatte ich nur im Sinn mir den Rokokosaal anzusehen. Dieser ist allerdings im derzeitigen Zustand nicht so sehenswert. Schon interessanter fand ich die Kunstausstellung in der Katharinenkirche. Ich denke, die Kunstliebhaber kommen im Palais auf ihre Kosten. Wer es aber lieber prunkvoll mag, findet in Bayern schönere Schlösser und Palais.

Quellen / Weiterführende Links