Festungsbahn in Salzburg

Salzburg hat nicht nur eine Festung hoch oben auf einem Felsenrücken, nein, es gibt auch eine Festungsbahn, die dem zahlenden Touristen die Erstürmung der ansonsten nie eingenommenen Feste ermöglicht.

Als ich die Standseilbahn betrat war ich leicht enttäuscht. Es gab nur drei Fahrgasträume im Wagen, die sich auch sehr schnell mit Fahrgästen füllten. Speziell im Sommer dürfte es hier ein ständiges Gedränge geben (Fassungsvermögen 48 Personen).

Die Aussicht rauf zur Bergstation war durch die Fahrerkabine verstellt, nach allen anderen Richtungen war die Sicht frei. Auch die Sicht durch das gläserne Dach war okay. Bei den sehr steilen Standseilbahnen, ist diese Sicht fast die wichtigste.

Das Fahrerlebnis war rasch und deshalb auch nur sehr kurz. Kaum hatte ich mich an die rasche Geschwindigkeit (5m/s) der Standseilbahn gewöhnt, war ich auch schon in der Bergstation. Unterwegs hatte ich gerade noch Zeit ein wenig auf die Besonderheiten der Salzburger Dächer zu achten.

Wenn ich diese Fahrt mit den beschaulichen Fahrten der Grazer Standsteilbahn auf den Schlossberg oder mit der Wiesbadner Standseilbahn auf den Neroberg vergleiche, so war die Fahrt nicht wirklich ein Erlebnis.

Fotografen sollten sich bemühen, immer die talwärts gerichtete erste Kabine zu ergattern, da diese die einzige ist, die wirklich ein Foto auf die Stadt ermöglicht.

Von der Technologie war die Standseilbahn auch nicht wirklich interessant. Sie ist in erster Linie sehr modern, was wohl auch die große Geschwindigkeit erst möglich machte.

Während die Standseilbahn heute mit Elektrizität betrieben wird war sie früher eine Bahn, die mit Wasserballast funktionierte. Damals wurde sie auch noch liebevoll die Tröpferlbahn genannt. Bei dieser Methode wurden die Tanks des Bergwagens mit Wasser angefüllt und dieser zog beim Runterfahren den vom Wasser befreiten Talwagen nach oben.

Leider konnte ich das in Salzburg nicht mehr erleben. Aus einem Besuch in Wiesbaden weiß ich aber, dass die dortige Standseilbahn auf den Neroberg noch genau mit dieser Methode fährt.

Die Abstände der Fahrten waren laut Angaben an den Kassen mit 10 Minuten angesetzt. Ich persönlich glaube nicht daran, dass man im Sommer in diesen Abständen fahren wird, den die zahlreichen Salzburger Gäste werden wohl kürzere Abstände nötig machen.

Wenn man mit der Festungsbahn wieder ins Tal zurück fährt, gibt es eine kleine Überraschung. Der Ausgang führt nämlich nicht sofort zurück in die Innenstadt, sondern man marschiert über einen Wasserlehrpfad, der speziell in den Abendstunden sehr schön ist. In den einzelnen touristischen Publikationen wird er als Almpassage angepriesen.

Falls man sich diesen Wasserlehrpfad auch ohne Festungsbahn ansehen möchte, kann man ihn von seiner Rückseite betreten, in dem man einfach durch den Bernsteinshop geht, der sich bei der Festungsbahn um die Ecke befindet.

Ich kann mir gut vorstellen, dass jetzt keiner glaubt, dass man durch einen Bernsteinshop zu einem Wasserlehrpfad gelangt. Aber wie sagt man so schön: Vertrauen ist gut, nachsehen ist besser! Also probiert es einfach aus!

Wer jetzt wirklich nachsehen geht, hier noch ein paar weiterführende Infos:
Lage

Die Festungsbahn ist von der Domseite der Festung erreichbar und befindet sich in der so genannten Festungsgasse. Diese erreicht man am besten dadurch, dass man von der Salzach kommend einfach zum Kapitelplatz geht, und dort nach Umrundung des Doms nach der Bahn Ausschau hält. Sie ist von dort schon deutlich sichtbar.
Fahrpreis

Der Fahrpreis hätte für mich hin und retour 8,50 Euro (Vollpreis) betragen. Nach 19:00 reduziert er sich übrigens auf 3,20 Euro. Wer möchte, kann einen der Wege auch mit dem etwas weiter entfernten Mönchsbergaufzug fahren. Das ist dann aber definitiv ein Lift und keineswegs sehenswert.

Konkret gezahlt habe ich dann gar nichts, weil ich mit der Salzburg Card zu 19 Euro unterwegs war. Mit der kann ich auch nahezu alle wichtigen Museen kostenlos besuchen.

Wie man unschwer erkennen kann, ist die Fahrt mit der Festungsbahn relativ teuer und man sollte sich wirklich überlegen ob man nicht lieber zu Fuß die Festung erstürmt und dabei die verschiedenen Ecken für Fotos benutzt. Oben angelangt kann man das Geld ja in ein frisch gezapftes Bier umsetzen.
Gastronomie

Direkt neben der Bergstation der Festungsbahn befand sich ein gutbürgerliches Gasthaus.
Toiletten/Mobilität

Die Festungsbahn verfügte in der Talstation über Toiletten, die ich aber nicht benützte.

Bezüglich der Rollstühle muss ich etwas ausholen. Standseilbahnen sind immer extrem schräg gebaut, so dass man sie normalerweise nicht nutzen kann, ohne über Stufen zu steigen.

Die Wagen sind meisten in Kabinen unterteilt die selbst in der Höhe versetzt sind. Während man die eine Kabine noch ebenerdig erreichen kann, ist die nächste nur noch über Stufen erreichbar.

Dummerweise ist in der Talstation die erste Kabine ebenerdig, in der Bergstation ist aber genau diese Kabine am weitesten unten und kann nur über Stufen verlassen werden.

Wie steigt man also mit einem Rollstuhl oder mit einem Kinderwagen zu?

Die Salzburger haben sich etwas einfallen lassen: In der Talstation führt ein Lift direkt an die oberste Kabine heran, in der man ebenerdig hineinrollen kann. Diese oberste Kabine ist dann in der Bergstation genau jene Kabine, die man dann ebenfalls ebenerdig verlassen kann.

Beim Runterfahren muss man nur auf eines achten: Während alle Fahrgäste nach links aussteigen, muss man als Rollstuhlfahrer nach rechts aussteigen, da sich nur dort der Lift befindet.

Es ist deshalb wichtig, sich beim Fahrer bemerkbar zu machen, weil die Türen normalerweise nur nach einer Seite geöffnet werden.

Während bei Rollstuhlfahrern wahrscheinlich klar ist, das sie nicht über die Stufen fahren wollen, wäre es bei kleineren Kinderwagen schon sinnvoll sich bemerkbar zu machen. Theoretisch könnte es nämlich sein, dass die Eltern mit dem Kinderwagen lieber nach links aussteigen, um von dort in die Almpassage zu gehen.
Museumsshop

In der Talstation gab es im Kassenbereich ein paar Artikel zu kaufen. In erster Linie handelte es sich dabei um Videos von Bahnen und um Modelle von Straßenbahnwagen.
Resümee

Ich habe die Fahrt mit der Festungsbahn nicht also großes Erlebnis empfunden und denke, das sie dem Touristen in erster Linie das Besteigen des Felsens abnimmt.

Quellen / Weiterführende Links

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