Entschleunigen im Salzburger Priesterseminar

Petrus Statue im Hof des Salzburger PriesterseminarsSeit vielen Jahren bietet das Gästehaus des Priesterseminars in Salzburg eine Übernachtungsmöglichkeit für Gäste, die weder eine Hotelbar, noch ein TV-Gerät für einen angenehmen Aufenthalt benötigen. Stattdessen genießt man seine zentrale Lage und den fast privaten Zugang zur Dreifaltigkeitskirche.

Petrus und ein schwarzer Kater begrüßen mich

Ich öffne die große Pforte mit etwas Kraftaufwand. Ein schwarzer Kater, eingerollt auf einer Bank liegend – sein Name ist Max – nimmt mein Ankommen mit einem kurzen Kopfheben zur Kenntnis.

Mein Blick fällt  in einen Innenhof, dessen Boden mit Salzburger Flusssteinen ausgelegt ist. In der Mitte des Hofes plätschert ein Brunnen, geschmückt mit einer von Josef Anton Pfaffinger gefertigten Statue des Petrus. Dieser hält seine Attribute, die Schlüssel, in den blauen Himmel von Salzburg.

Schlüssel! Gutes Stichwort. Ich betrete die kleine Rezeption neben der Eingangspforte. Mein Zimmer ist noch nicht fertig. Ich lasse das Gepäck in der Rezeption zurück und begebe mich auf Entdeckungstour.

Ein privater Blick in die Dreifaltigkeitskirche

Die Tür zu Dreifaltigkeitskirche steht offen. Ein Privileg, dass man als Gast des Priesterseminars besitzt, ist der einfache Zutritt zu diesem von Johann Bernhard Fischer von Erlach gestalteten Bauwerk. Diese Kirche wird mir vor allem durch ihren ovalen Grundriss und der mächtigen Tambourkuppel mit dem Fresco von Johann Michael Rottmayr in Erinnerung bleiben.

Die Turmuhr schlägt 12:30.  Mein Zimmer ist fertig. Ein Vorteil, wenn man in einem geistlichen Haus übernachtet, man weiß auch ohne Armbanduhr, die wievielte Stunde es geschlagen hat. Ein Lift bringt mich in mein Stockwerk, dann schreite ich durch einen langen lichtdurchfluteten Gang. Blumen und religiöse Kunst säumen meinen Weg.

Kantige Truhen und runde Lampen

Das Zimmer – in meinem Fall ein Doppelzimmer – ist riesengroß. Besonders gut gefällt mir ein halbhoher Schrank, der stilistisch an eine Truhe erinnert. Vor langer Zeit verstauten die Menschen ihre Sachen in Truhen, in diese Zeit fühle ich mich nun kurz versetzt.

Über dem Bett hängt ein Ölgemälde mit einem christlichen Motiv. Als moderner Kontrast dazu hängen von der sehr hohen Decke zwei Kugelleuchten, die durch ihr Rund dem Raum ein weiches Element geben. Das Bad ist offensichtlich erst vor kurzem erneuert worden und sehr modern.

Später lerne ich den Verwalter des Hauses kennen. Er erklärt mir noch einige Details. So bestätigt er mir, dass auch das Gästehaus seinerzeit von Johann Bernhard Fischer von Erlach gestaltet wurde. Ich werde also heue Nacht in einem Fischer von Erlach Gebäude übernachten.

Eine neue Konzertreihe: Die Musica Sacra Trinitatis Salisburgensis

Er erzählt auch von der Möglichkeit das Innere der Kirche im Rahmen der neuen Konzertreihe  Musica Sacra Trinitatis Salisburgensis kennenzulernen. Gespielt wird auf der Orgel mit Gesangsbegleitung. Ich stecke mir das Programm in die Tasche. Die bereits von Mozart geschätzte Akustik in diesem Gebäude klingt für mich verlockend.

Die Nacht ist ruhig.Gelegentlich klingt das Stimmengewirr der Nachtschwärmer in den engen Gassen Salzburgs nach oben. Trotzdem strömt das Haus Ruhe aus. Ich vermute mal, jahrhundertelange religiöse Kontemplation und dicke Mauern tragen das ihre dazu bei.

Hinweise auf alte Baustrukturen

Am nächsten Morgen gehe ich auf Erkundungstour, bevor ich mich zum Frühstück setze. Im 2. Stock entdecke ich alte Darstellungen des Gebäudes und seiner Nachbarschaft. Nicht immer stand die Kirche so frei am Markartplatz wie heute.

Für lange Zeit hatte sie das fürsterzbischöfliche Leihhaus als Gegenüber, was jetzt die Vorplatzschaffende Innenwölbung der Kirchenportals erklärbar macht. Das Leihhaus wurde 1907 abgerissen, dessen wiederverwendetes Portal entdecke ich am späteren Vormittag in einem Sparkassengebäude am Alten Markt.

Frühstück im Plauderton

Beim Frühstück begegne ich dem Koch des Gästehauses. Ich bedanke mich für die selbstgemachte Marmelade, die für jeden Gast am Zimmer ausliegt. Die Stimmung im Frühstücksraum ist angenehm. Man kommt schnell mit anderen Gästen ins Gespräch.

Die Zeit des Aufbruchs ist gekommen. Der Besuch einer Ausstellung über die UNESCO Weltkulturerbestadt Salzburg steht auf dem Plan. Eilig rolle ich meinen Koffer über die Flusssteine in Richtung Rezeption. Kater Max blickt gemächlich von seiner Bank auf. „Bleib gelassen“ – scheinen mir seine Augen zum Abschied zu sagen.

Weiterführende Links

Danksagung

Meine Nächtigung im Gästehaus des Priesterseminars wurde von Salzburg Tourismus unterstützt.