Landhaushof in Graz

Die Grazer Altstadt gehört nun schon seit ein paar Jahren zum Weltkulturerbe, was natürlich das Interesse eines jeden Grazbesuchers auf die Schönheiten des Stadtzentrums von Graz lenkt. Hier fällt mir als Bürger von Graz spontan der Landhaushof ein.

Was es über diesen Landhaushof so zu sagen gibt, erfuhr ich bereits in jungen Jahren während eines angeordneten Ausfluges meiner Volksschulklasse.

Von damals kann ich mir nur noch erinnern, dass ich keck behauptete, der sehr schöne Brunnen am Randes des Hofes diene zum Versenken der wertlosen Beschlüsse des steirischen Landtages, der in einem der Gebäude gleich neben dem Hof noch heute untergebracht ist.

Die Antwort meiner reizenden Lehrerin ist nicht mehr überliefert, aber ich möchte hier und jetzt ohnehin über den derzeitigen Zustand des Landhaushofes berichten.

Die Bedeutung des im Stil der italienischen Renaissance errichteten Landhaushofes hat nämlich in den letzen Jahren eine stürmische Entwicklung zu einem besonders schönen Unterhaltungszentrums gemacht.

Wo früher nur vereinzelt Tauben das kärgliche Futter zwischen dem Kopfsteinpflaster heraus pickten und einige einsame japanische Touristen den eindrucksvollen Arkadenhof des Festungsbauers Domenico dell`Allio aus dem 16. Jahrhundert fotografierten, hat sich in den Sommermonaten ein Platz etabliert, wo es nahezu an jedem Abend etwas zu erleben gibt.

Seien es die wöchentlichen Platzmusikkonzerte am Freitag abend, oder seien es die kostenlosen Filmvorführungen von Opern, Operetten und Musicals an allen anderen Abenden. Hier hatte ich schon so manche Stunden mit einer netten Begleiterin verbracht, dem Musical auf der Leinwand gelauscht und vom Büffet kräftige steirische Nahrung samt Backhendl, Käferbohnensalat und Kürbiskernöl geschmaust.

Während der Sommermonaten gibt es nämlich auch ein Büffet im Landhaushof, wo man allerlei Speisen und Getränke erwerben kann. Diese sind zwar nicht pickfein wie bei manchem königlichen Empfang aber auch nicht irgendwie Fast Food, sondern schön mitten drin.

Ansonsten vergeht keine Kulturveranstaltung wo ich nicht dieselben erheiternden Rituale zum Beginn der Veranstaltungen erlebe. Am Anfang herrscht heftiges Gedränge. Die besten Plätze sind schon früh besetzt, auch die schlechten Plätze werden von Handtaschen und Jacken belegt, denn die Verwandten wollen ja noch nachkommen und sicher ist sicher.

Nach der ersten Pause lichten sich auffallend die Reihen, Kultur ist doch etwas schwer, zahlreiche Zuschauer verschwinden in den umliegenden Einkaufsstraßen, gucken die neuesten Moden und Accessoires oder verschwinden in dem etwa fünf Minuten entfernten Bermuda Dreieck, eine Ansammlung von Bars und Kneipen entlang einiger sehr alter Plätze.

Ich selbst bleibe meistens mit einem Glas Bier in der Hand an der Säule einer Arkade gelehnt und gucke mir an was sich so auf der Leinwand abspielt oder gerade von der Bühne rezitiert wird. Ein herrlicher Moment, den arbeitsreichen Tag zu beschließen.

Wer sich traut, und ich traue mich immer, bleibt nicht brav auf den Stühlen in der Mitte des Hofes sitzen, sondern versucht über den beiden Treppenhäusern zu den überdachten Arkadengängen des Landhaushofes zu gelangen um das Geschehen von oben zu betrachten.

Hier komme ich dann immer an den Türen der verschiedenen Landesräte vorbei, den der Landhaushof heißt natürlich nicht umsonst so. Es ist der Hof des Landhauses, dort wo noch heute unser Landtag tagt und unsere Landesräte raten.

So findet man an so mancher knorrigen Türe so manche merkwürdige Aufgabenstellung, wie etwa die des zuständige Referenten für die steirische Blasmusik, den ich hiermit herzlich grüße, falls er dies hier liest.

Natürlich ist der Landhaushof nicht eine einzelne Sehenswürdigkeit ganz einsam in einer öden Wüste, nein, gleich nebenan befindet sich das ebenfalls sehr bemerkenswerte Landeszeughaus mit seinen tausenden Rüstungen und mittelalterlichen Waffen. Dieses Haus ist eines der größten noch vorhandenen Waffensammlungen Europas, einst errichtet, um die steirische Bevölkerung gegen einfallende Türkenheere blitzartig zu bewaffnen.

Auch während den kälteren Jahreszeiten erhält sich der Landhaushof seine Bedeutung, so gibt es alljährlich in der Adventszeit eine Eiskrippen Ausstellung, die zum Teil internationale Größen auf diesem Gebiet zur Mitwirkung einlädt.

Auch so manche Großveranstaltung im Grazer Kulturprogramm findet ihren Platz im Landhaushof, seien es Teile des Programms La Strada (ein internationales Treffen von Puppentheater) oder ein Konzert der AIMS (eine jährliche Veranstaltung mit amerikanischen Musikstudenten)

Im Landhaushof ist immer was los, wer ihn nicht besucht, trägt selber Schuld. Damit ihr auch hinfindet, hier noch ein paar Details.

Lage

Der Landhaus liegt mitten im Zentrum der Grazer Altstadt. Zu Fuß ist er vom Hauptplatz und damit auch von einer Haltestelle mit sämtlichen Straßenbahnhaltestellen keine Minute entfernt.

Eintritt

Der Landhaushof ist öffentlich zugänglich. Auch während der zahlreichen Veranstaltungen ist es mir noch nie passiert, das ein Eintritt verlangt wurde.

Gastronomie

Als Gastronomie würden sich zahlreiche Restaurants der Innenstadt anbieten. Besonders erwähnenswert ist natürlich der Landhauskeller. Dieses Restaurant befindet sich bereits in einer etwas gehobenen Preisklasse mit bodenständiger Küche. Der Gastgarten des Restaurants befindet sich zwar im Landhaushof, allerdings kann man nicht sagen, dass man von dort aus, den Landhaushof so richtig erleben könnte. Ich würde da schon empfehlen doch lieber das bereits erwähnte Büffet zu nutzen und irgendwo im Arkadenhof Platz zu nehmen.

Toiletten/Mobilität

Ein sehr modernes öffentliches WC befindet sich eine Minute entfernt am Grazer Hauptplatz. Der Landhaushof ist mit Rollstühlen befahrbar, leider sind die erwähnten Arkadengänge im ersten oder zweiten Obergeschoß nur über Treppen erreichbar.

Resümee

Meistens führe ich meine ausländischen Besucher gleich am ersten Abend in den Landhaushof, wo es in den sommerlichen Abendstunden ja nahezu immer Unterhaltung und gutes Essen gibt. Auch jedem anderen Graz Besucher kann ich den Landhaushof empfehlen, vielleicht einmal am Abend aber mindestens auch einmal am Tag, um seine Atmosphäre auch bei Sonnenschein zu erleben.

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