Green Belt Center Windhaag: Beginn einer Wanderung

Green Belt Center in Windhaag bei Freistadt, Österreich

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs bemüht sich die Naturschutzinitiative Grünes Band Europa um die Erhaltung der besonderen Landschaften entlang der ehemaligen Sperrgebiete. Doch worum geht es bei diesem Grünen Band genau? Ein Besuch in einem Informationszentrum soll mir die Antwort bieten.

Nach dem Zusammentreffen mit den Wasserbüffeln an der Maltsch in Leopoldschlag reise ich zum Nachbarort Windhaag bei Freistadt. Dort steht ein Besuch im Green Belt Center auf dem Programm.

Musik und Industriekultur im Ort

Windhaag ist eine ebenfalls nicht besonders große Marktgemeinde in der Nähe der Grenze. Liebhaber der klassischen Musik kennen den Ort vielleicht von der Windhaager Messe, die von Anton Bruckner komponiert wurde. Er hatte für einige Zeit als Aushilfslehrer in Windhaag gearbeitet.

Für Freunde der Industriekultur gibt es ein paar alte Handwerkerhäuser und eine Venetianersäge zu sehen. Bemerkenswert ist auch der Wassershuttle, ein auffälliges Monument, das daran erinnert, dass Windhaag an einer kontinentalen Wasserscheide liegt.

Das Green Belt Center

Seit 2015 ist der Ort um eine Attraktion reicher: Das Green Belt Center hat in einem umgebauten Mühlviertler Waldhaus eröffnet. Nachdem ich das Grüne Band schon an einigen Stellen Österreichs durchwandert habe, bin ich neugierig, welche Erkenntnisse mir der theoretische Teil in so einem Ausstellungsgebäude vermitteln wird.

Geschichte des nördlichen Mühlviertels

Tatsächlich sehe ich mehr, als ich mir zunächst erhofft habe. Während sich die Dauerausstellung im 2. Stock der Geschichte des nördlichen Mühlviertels vom 13. bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts widmet,  beschäftigt sich der 1. Stock konkret mit dem Leben entlang des Eisernen Vorhangs und der Entstehung der Initiative zum Grünen Band.

Leben und Sterben am Zaun

Gerade dieser Teil verhalf mir die Hintergründe zur Entstehung der besonderen Landschaften entlang des Grenzzaunes zu verstehen. Die militärischen Sperrgebiete befanden sich eigentlich auf der ‚anderen‘ Seite, warum kann sich das Grüne Band dann auch auf österreichischer Seite erstrecken?

Tatsächlich wurde aber der Eiserne Vorhang auch auf der österreichischen Seite von der Bevölkerung gemieden und so konnten sich Pflanzen und Tiere grenzübergreifend in relativer Ruhe niederlassen.

Dieser Ausstellungsteil ist stark der Politik und weniger der Biodiversität gewidmet, hilft aber sehr, die Besonderheiten eines Lebens auf der ‚freien‘ Seite eines Stacheldrahtes zu verstehen. Für mich überraschend waren denoch die hohe Anzahl von Todesfälle, die sich entlang des Eisernen Vorhangs in dieser Zeit ereigneten.

Ein Europäisches Projekt an unseren Grenzen

In einem weiteren Teil der Ausstellung wird das Grüne Band Europas konkret besprochen. Eine riesige Landkarte Europas verdeutlicht anschaulich den Verlauf dieses Bandes von der subarktischen Tundra bis an den Gefilden des Schwarzen Meeres. Dazwischen der relativ lange Verlauf entlang der Grenze Ostösterreichs.

Wie oft haben wir schon diese Grenze in Richtung böhmischer Knödel, ungarischen Thermen und slowenischen Weinbergen überquert, ohne uns bewußt zu sein, dass wir dabei den Errungenschaften einer Europäischen Initiative kreuzen?

Chancen und Risken dieses Projektes

Die Initiative gibt es, doch ihr Erfolg muss jeden Tag aufs Neue erarbeitet werden. An Hand von zahlreichen Beispielen zeigt die Ausstellung an welchen Stellen welche Tier- und Pflanzenarten gerade in Ihrem Bestand gefährdet sind. Doch auch von Chancen wird gesprochen, bildet doch so ein geschlossenes Band auch die Chance für die Wanderung des einen oder anderen bereits verschwunden geglaubten Tieres.

Wird das der Beginn einer langen Wanderung?

Eine Wanderung  auf die ich mich gerne selbst mal begeben möchte. Mit diesem Vorsatz und einem Stapel an Besichtigungstipps in der näheren Umgebung verlasse ich das Green Belt Center in Windhaag.

Quellen / Weiterführende Links

Danksagung

Der Besuch des Green Belt Centers wurde vom Naturschutzbund Österreich unterstützt.