Befreiungshalle in Kelheim

Befreiungshalle in Kelheim, Deutschland

Im Jahre 1863 wurde die Befreiungshalle zur Erinnerung an die Befreiungskriege 1813-1815 gegen Napoleon vollendet. Im Auftrag gegeben wurde sie vom Bayerischen König Ludwig I. Gebaut wurde sie von Friedrich Gärtner und Leo von Klenze.

Schon bei der Anfahrt fiel mir die Befreiungshalle auf dem Michelsberg hoch über Kehlheim durch ihre strenge Form auf. Wären da an der Außenseite nicht diese Kolossalstatuen gewesen, hätte das Gebäude gut auch ein Wasserreservoir gewesen sein können.

Oben angekommen, hielt ich mich noch ein wenig beim Museumsshop auf, wo in der Nähe einige rekonstruierte Schanzen aus der Zeit der Kelten aufgebaut waren. Den der Michelsberg war schon zur Zeit der Kelten ein Siedlungsgebiet. Ein keltisches Opiddum mit dem Namen Alkimoennis lag hier hoch über der Mündung der Altmühl in die Donau.

Aber dann ging es in Richtung Befreiungshalle. Rund 45 Meter ragt sie vor mir auf, bewacht von 18 Kolossalstatuen, die als Allegorie für die am Befreiungskampf beteiligten teutschen Volksstämme standen. Ja, damals schrieb man deutsch noch mit hartem t am Anfang, wie mir später auch eine Inschrift auf dem Boden der Befreiungshalle bestätigte.

Über eine große Freitreppe betrete ich den Innenraum, von dem eine Stiege nach oben zur Empore und zur Aussichtsebene führt. Da gerade dunkle Wolken ein nahendes Unwetter ankündigten, eilte ich rasch die Stufen empor um noch etwas von der Landschaft sehen zu können. Oben angelangt blicke ich entlang einer Balustrade schreitend auf das bayerische Kelheim hinab.

Der Blick war nun nicht so berauschend, man sieht Kelheim und man sieht eine merkwürdige Industrieanlage, die aber stillgelegt wirkt. Da hatte mir der Blick auf dem Weg vom Parkplatz zur Befreiungshalle schon besser gefallen.

Da konnte ich durch eine Lichtung in den Bäumen am Hang auf die Altmühl runter blicken, wo sich gerade ein Ausflugsschiff um eine enge Kurve wand. Ich hoffe, ich werde diese schöne Altmühltal auch mal von so einem Schiff aus erleben können.

Jetzt aber war ich noch auf der Befreiungshalle und wagte einen Blick von der Empore in den Innenraum. Dieser offenbarte sich mir in einer makellosen Symmetrie. 34 Siegesgöttinnen aus weißem Carrara-Marmor umringen die Fläche in der Mitte der Halle. Die Göttinnen berühren sich mit der einen Hand wie zu einem Reigen, mit der anderen Hand halten sie Schilde, die aus der Bronze von eingeschmolzenen Kanonen gewonnen worden waren.

Auf diesen Schilden sind die Daten der wichtigsten Befreiungskriege angeführt, wie etwa die berühmte Völkerschlacht bei Leipzig. Einige der Besucher lassen sich zwischen den einzelnen Figuren mit ihren Schildern fotografieren und erzeugen Bilder mit Symbolgehalt: Schwiegermama Erna zwischen zwei Schlachten. Man beachte die Ironie…

Hinter der einen oder anderen Schlacht brennen diskret Kerzen, als ob nach bald 200 Jahren noch immer den Toten gedacht wird. Doch nicht bei jeder Schlacht brennen diese kleinen Flämmchen, es scheint ein sehr persönliches Gedenken an dem einen oder anderen Vorfahren zu sein.

Namen gäbe es einige zu lesen, auf großen Tafeln sind beteiligte Feldherren namentlich angeführt. Darunter entdecke ich auch einen Österreicher, Feldzeugmeister Graf Colloredo. Ob man ihn Österreicher nennen darf ist aber nicht so gewiss. Geboren wurde er im mittelhessischen Wetzlar, gekämpft hat er dann doch für die österreichische Armee.

Aber damals war alles etwas kompliziert. War doch Bayern, auf dessen Boden die Befreiungshalle nun mal steht, fast bis zum Schluss ein Verbündeter der Napoleonischen Sache. Aber das ist wohl wieder eine andere Geschichte, über die ich auf meinem Rückweg nach Regensburg nachdenke werde.

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