Schloss Festetics in Keszthely, Ungarn

Schloss Festetics in Keszthely, Ungarn

An einem sonnigen Herbsttag besuchte ich Schloss Festetics (Festetics Kastély) nahe dem Plattensee in Ungarn. Nach einem Spaziergang durch das Barockschloss und ein Besuch in der berühmten Helikon-Bibliothek verbrachte ich einige Zeit in einer Sammlung von Kutschen und Wagen, die im ehemaligen Stallgebäude untergebracht ist.

Nach einer Anfahrt entlang von eher ruhigen Landstrassen kündigte der mächtige Turm des Schlosses unser Ziel an. Geparkt wurde hinter dem Schloss und so betraten wir den Schlosspark auch von der Seite des Marsstalles.

Eine gute Wahl, denn so tauchte der mächtige aus dem Jahre 1745 stammende Bau zunächst nur in Teilen zwischen den Bäumen auf und vervollständigte sich zu einem Ensemble Schritt für Schritt.

Was sofort auffiel: Der Bau war symmetrisch angelegt, eine Symmetrie die sich nach intensiven Suchen nach Unterschieden immer mehr auflöste.

Eine wohltuend Abwechslung zu jenen Prachtschlössern die man aus Zeitgründen nur zur Hälfte besichtigen musste, weil ja die andere Hälfte ohnehin gleich aussah.

Im Schloss besuchten wir das die für die Öffentlichkeit frei gegebenen Räume und natürlich den Festsaal. Ein Festsaal der einen ausgezeichneten Blick auf ein Hochhaus freigab.

Während also der Fürst von seinem Festsaal auf ein modernes Hochhaus blickt, blickt der Bewohner einer kleinen Hochhauswohnung auf ein Barockschloss. Ausgleichende Gerechtigkeit?

Die Räume waren vollständig eingerichtet. Prunkvolle Möbel zum Beispiel im Empirestil und Delfter-Kachelöfen wechselten sich mit Gemälden der früheren Besitzer ab. Bilder die schön die Entwicklung der Mode im Lauf der Zeit darstellten.

Vom heldenhaften Ahn in Harnisch bis zur eleganten Vertreterin des 20. Jahrhunderts in einem luftigen Kleid der 20iger Jahre. Mann guckt und staunt.

Etwas längere Zeit verbrachten wir in der Helikon-Bibliothek mit ihren 50.000 Werken. Bei so vielen Werken freut man sich einerseits, andererseits fragt man sich wie viel wurde davon auch gelesen?

Persönlich war ich auch von einem der Stiegenhäuser beeindruckt, dass gänzlich in Holz verkleidet war. Sah ich bisher noch nicht so oft, meistens dominiert ja hier der Marmor.

Nach dem Spaziergang durch das Schloss, die wir übrigens in Besucherpatschen absolvierten (Ist ja fast so wie ein Besuch bei der Tante Jolesch) ging es rüber zum Marsstall.

Hier besuchten wir eine Sammlung von Kutschen. Ehemalige Prunkkutschen der Schlossbesitzer, aber auch Kutschen des normalen Transportalltages.

Und das war diesmal das Interessante für mich. Wie sah so Postkutsche früher aus? Nicht die allseits bekannten zum Transport von Personen, sondern die zum Transport von Paketen.

Zwei Kutschen wurden gezeigt samt Fahrer und Pakete. Pakete die scheinbar auch aus allerlei Getier zu bestehen schienen. Zumindest wurde das mit ausgestopften Fasanen und Hühner angedeutet.

Solche Erkenntnisse machen nachdenklich aber auch hungrig und so verließen wir den Marstall und machten uns auf die Suche nach einem Café weiter unten am Ufer des Plattensees.

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