Spielzeugmuseum in München

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Spielzeugmuseum in München

Nachdem ich bereits das Spielzeugmuseum in Nürnberg kennen lernen durfte, fiel mir anlässlich eines Münchenbesuches auf, das sich auch hier ein ähnliches Museum befand. Das musste ich mir natürlich auch gleich mal ansehen.

Lage

Das Münchner Spielzeugmuseum liegt sehr zentral, den es befindet sich im Turm des alten Rathauses direkt am Marienplatz. Wer es mal besuchen möchte, kann das also ganz einfach mit einem Besuch des Glockenspiels am neuen Rathaus oder mit einer Turmbesteigung beim alten Peter (toller Aussichtspunkt mitten in der Stadt) kombinieren.

Eintritt

Den Eintritt von 3,50 Euro bezahlte ich an der Kasse im ersten Stock des Turmes, nachdem ich diese über eine enge Wendeltreppe erreichte. Leider ist dieses Museum mit Rollstühlen überhaupt nicht betretbar, da der eingebaute Aufzug erst vom ersten Stock weg die anderen 4 Stockwerke bedient.

Garderobe/Fotografieren

Eine Garderobe gab es nicht, aber der nette Herr an der Kasse ließ meinen Rucksack bei sich abstellen. Fotografieren war erlaubt, aber nur „für den privaten Gebrauch“.

Museumsshop

Im Kassenbereich konnte ich in ein paar Bücher über Teddybären blättern und zwischen ein paar Ansichtskarten mit Spielzeugmotiven wählen.

Ausstellung

Die Ausstellung verteilte sich über die restlichen vier Stockwerke des Museums. Die Flächen sind allerdings so klein, wie eben ein Stockwerk in einem Turm groß sein kann. Dadurch wirkt das Museum sehr intim.

Das oberste Stockwerk erreichte ich diesmal mit dem Aufzug, in die anderen Stockwerke gelangte ich über die bereits erwähnte schmale Wendeltreppe.

Bei den ausgestellten Spielzeugen handelte es sich um eine private Sammlung der Familie Ivan Steiger, die den Turm für das Betreiben des Museums von der Münchner Stadt gepachtet hat. Diese Familie sammelt noch immer Spielzeuge, die aber vor dem Jahre 1950 erzeugt worden sein müssen.

Das oberste Geschoß handelte von Teddybären, über die ich aber unter dem Punkt Sonderausstellung zu sprechen kommen möchte.

In den Geschossen darunter begegneten mir viele Spielzeuge aus dem Bereich Figuren, Automaten, Dampfmaschinen und Modelleisenbahnen.

Bei den Figuren war vor allem die Firma Elastolin sehr präsent, die seinerzeit aus diesem speziellen Material eine Vielzahl Figuren geformt hatte. So gab es sehr viele Figuren aus dem militärischen Bereich aber auch aus dem privaten Sektor, zum Beispiel der Landwirtschaft.

Diese Landwirte mit den ganzen Kühen und Schweinen konnte damals der kleine Junge in Bauernhöfe aus Holz stellen, die ebenfalls von der Firma Elastolin hergestellt wurden. Dabei war diese Firma bereits so flexibel, dass sie die gleichen Modelle je nach Exportland in regional üblichen Farben anbot.

Besonders witzig fand ich eine ganz spezielle Armee. Die Firma hatte neben Soldaten der damals wichtigsten Heere auch „Marsmännchen“ im Angebot. Allerdings waren das damals noch keine grünen Männchen mit Laserpistolen, sondern Figürchen in kurzen Röcken (Minis?), und einer eigenartig geschwungenen Antenne auf dem Kopf. Als Waffen trugen sie die damals nicht anders bekannten Gewehre mit Bajonett. Abgesehen von den kriegerischen Utensilien wirkten auf mich diese Männchen in ihren Röckchen wie eine Tanzgruppe aus dem Moulin Rouge von Paris.

Bei den automatischen Figuren begegnete ich einigen „alten Bekannten“, den es waren viele von der Firma Lehmann dabei, die ich schon einige Wochen vorher im Spielzeugmuseum Nürnberg gesehen hatte.

Bei den Modelleisenbahnen war wiederum die Firma Märklin sehr präsent. Obwohl ich früher ein großer Fan von Modelleisenbahnen war, reizten mich die ausgestellten Lokomotiven heute nicht mehr so sehr.

Viel spannender fand ich die verschiedenen anderen Spielzeuge, wie z.B. Seilbahnen oder Skifahrer, die man über Hänge runtersausen lassen konnte.

Auch spannend fand ich die Vielzahl von Dampfmaschinen, die es damals im Angebot gab. Diese dampften entweder friedlich vor sich hin oder sie betrieben verschiedene andere Maschinen, das ideale Spielzeug für den Sohnemann vom Herrn Ingenieur.

In den Mittelvitrinen befanden sich übrigens immer wieder Teddybären und deshalb möchte ich gleich zur Sonderausstellung überleiten.

Sonderausstellung

Die Sonderausstellung handelte nämlich von Teddybären. Ich denke jeder weiß, was ein Teddybär ist und wohl fast jeder Junge hatte einen solchen bei sich Zuhause, als er klein war. Die Teddybären waren ja sozusagen die „Puppen“ für Jungs.

In dem Spielzeugturm erfuhr ich nun, das die cleveren Spielzeugfirmen aus der Zeit unserer Urgroßeltern tatsächlich genau das im Sinn hatten, als sie die ersten Bärenpuppen auf den Markt brachten. Eine Spielpuppe für Knaben zu schaffen, die ja immerhin 50% der Kinder ausmachten.

Als sich dann der Bär endlich als Spielzeug für Knaben aber auch Mädchen entwickelt hatte, machte er in den verschiedenen Ländern unterschiedlichen Entwicklungen durch.

Im obersten Stockwerk des Turmes erfuhr ich, das sich deutsche, französische, englische und amerikanische Bären voneinander unterschieden. Das ist natürlich verständlich, da ja die unterschiedlichen Länder auch mit unterschiedlichen Rohstoffen arbeiteten.

Wie raffiniert die Hersteller schon damals waren, zeigte mir eine Vitrine wo sich Bären mit Schnauzen aus Schellack befanden. Dieses Schellack ließ die Schnauzen etwas feucht wirken und genauso wollte man die Bärennäschen auch erscheinen lassen.

Einige Bären konnten sogar richtig brummen oder auf Zuruf mit dem Kopf schütteln. Naja, man musste etwas rufen und gleichzeitig in einer bestimmten Art und Weise auf den Rücken klopfen. Ein Mechanismus führte dann zu einem zeitverzögerten Bewegen des Kopfes und zum Brummen.

Die meisten von uns haben wahrscheinlich auch die Geschichte gehört, dass in Amerika der Spielzeugbär deshalb berühmt wurde, weil der amerikanische Präsident sich weigerte, auf der Jagd einem ihn zugetriebenen Bären zu erlegen. Ab diesen Zeitpunkt hießen dort die Bärenpuppen nach dem Vornamen des Präsidenten Theodor Roosevelt „Teddy“Bären.

In dem Museum erfuhr ich, das diese Vorliebe für Spielzeugbären dann aber noch viel größere Blüten trug, als ich mir bisher vorstellen konnte. So galt es dann bald als schick, Spielzeugbären als Accessoires mit sich zu tragen. Und auch elegante Herren im Frack trugen lässig weiße Teddybären auf der Party.

Das wir heute gar nicht mal so anders sind, fiel mir dann später beim Abendessen auf. Die Dame am Nebentisch kam mit einem Rucksack an, der von hinten die Form eines Teddybären hatte.

Spielzeugmuseum Prag

Aber nun bin ich ja schon fast wieder aus dem Museum raus. Im Gespräch mit dem netten Herren an der Kasse konnte ich dann noch ein paar spezielle Infos in Erfahrung bringen. Die Familie Steiger hat noch ein zweites Spielzeugmuseum in Prag. Dieses ist in einem Palais auf dem Burgberg (Hradschin) von Prag untergebracht. Sollte ich mal nach Prag kommen, werde ich es mir selbstverständlich ansehen und hier darüber berichten.

Resümee

Im Vergleich zum Spielzeugmuseum in Nürnberg wirkt das Münchner Spielzeugmuseum geradezu winzig. Aber bei der Darstellung der Geschichte der Teddybären hat es die Nase eindeutig vorne. Ich würde es jedem München Besucher als kleines Appetithäppchen zwischendurch empfehlen.

Quellen / Weiterführende Links