Es klappert die Mühle am rauschenden Fluss

Schiffsmühle in Mureck, Österreich

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp, klapp“ – So lautete ein Lied unserer Kindheit. Doch nicht immer befindet sich eine Mühle an einem Bach. Für lange Zeit waren Flüsse mit Mühlen bestückt, die durch das Flusswasser direkt angetrieben wurden. Eine Rekonstruktion einer solchen Mühle findet man an der Mur im Steirischen Mureck.

In der zweitgrößten Aulandschaft Österreichs unterwegs

Die Anfahrt war einfach, der Anmarsch mit etwas Mühe verbunden. Unser Guide des Tages, Prof. Univ.-Doz. Dr. Johannes Gepp, lässt es sich nicht nehmen, uns auf eine botanische Wanderung abseits der Wege zu entführen. „Immerhin befinden wir uns hier nach der Hainburger Au in der zweitgrößten Aulandschaft Österreichs“, erklärt er stolz.

Wir  kommen an Stellen vorbei, die für Frühlingsknotenblumen, Schneeglöckchen, Seidelbast und Bärlauch bekannt sind. Persönlich entdecke ich einen Aronstab, allerdings noch ohne seinen markanten knallroten Früchten.

Im griechischen Götterhimmel rumort es

Bald darauf versammelt sich die ganze Gruppe um ein besonders schönes Exemplar einer Vierblättrigen Einbeere (Paris quadrifolia). Einer aus unseren Reihen erzählt im breiten Tirolerisch eine liebenswerte Merkhilfe für den lateinischen Namen.

Die Pflanze sei – so erzählt er – nach Paris, dem Sohn des trojanischen Königs Priamos und der Hekab benannt, und jenen vier Frauen, die eine wichtige Rolle in seinem Leben spielten: Helena, die schönste Frau Griechenlands und die drei griechischen Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite. Paris und vier Frauen: Paris quadrifolia.

Jemand murmelt leise vor sich hin, er hätte gerade eine fünfblättrige Paris quadrifolia gesehen und ich fühle eine Erschütterung der Macht in der griechischen Götterwelt. Wer ist die fünfte wichtige Frau im Leben von Paris?

Anschauungsunterricht für eine fast völlig verschwundene Technologie

Aber wir sind inzwischen an der Mühle angelangt. Diese ist ein schönes Exemplar für Freunde von alter Technologie. Es handelt sich dabei um eine Konstruktion, wo die Mühle auf einer Plattform im Fluss steht und das Mühlenrad durch die Flussströmung angetrieben wird. Einen Mühlgang wird man hier vergeblich suchen.

Eine Technologie, die es früher recht oft an europäischen Flüssen gab. Heute ist sie nahezu vergessen, da diese Konstruktionen fast vollständig abgetragen wurden. Die Mühle bei Mureck bleibt aber ein schönes Lehrbeispiel für diese alte Methode.

Das aktuelle Bauwerk wurde 1997 als Rekonstruktion errichtet und ist voll betriebsfähig. Die historische Mühle war unter dem Namen Bartholomäus Lorber bekannt, benannt nach einem ehemaligen Marktrichter und Baumeister in Mureck.

Letzte Stärkung vor dem Turmaufstieg in Gosdorf

Ich verzichte auf ein frisches Mühlenbrot und labe mich an einem saftigen Apfelkuchen. Dieser wird im Mühlenhof gleich neben der Schiffsmühle angeboten. Dabei handelt es sich um ein 250 Jahre altes Bauernhaus, dass aus Oberschwarza hierher verlegt wurde und jetzt als steirisches Wirtshaus fungiert.

Prof. Gepp drängt zum Aufbruch. Wir haben bisher nur einen kleinen Teil der Murauen gesehen, die hier auch die Grenze zu Slowenien bilden. Und von den sehr interessanten Flussausweitungen bei Gosdorf haben wir noch gar nichts erfahren.

Das werden wir aber bald beim markanten Murturm am Grünen Band nachholen, der sich wie eine Doppelhelix in den steirischen Himmel schraubt.

Weiterführende Links

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Danksagung

Mein Besuch der Schiffsmühle wurde vom Naturschutzbund Österreich unterstützt.