Römermuseum Kastell Boiotro in Passau

Im Juni 2002 besuchte ich das Römermuseum von Passau und lernte einiges über die Geschichte der Römer in Passau und Niederbayern kennen.

Das Museum befand sich direkt über den Resten des römischen Kastells Boiotro in der Lederergasse. Während von den Mauern noch Grundrisse zu sehen waren, befand sich das Museum in einem alten Gebäude aus dem Mittelalter.

Ursprünglich wollte man an dieser Stelle einen Kindergarten bauen. Doch als der Bagger merkwürdige Steinmauern erreichte, unterbrach man die Arbeiten, und legte die Reste eine römischen Befestigungsanlage frei.

Bevor ich mich ins Museum begab, spazierte ich ein wenig zwischen den alten Mauern. Deutlich waren die Resten von den seltsam geformten spätantiken Türmen zu sehen.

Die Stützen für die im Festungsinneren angelegten Dächern waren durch Steinquader symbolisiert. Über alles wachte eine Statue des Heiligen Severin, der in der Spätantike eine wichtige Rolle spielte.

Das Museum selbst befand sich in einem Gebäude aus dem Mittelalter, das seinerzeit über den Resten des Kastells errichtet worden war.

Dadurch ergab es sich, dass ich mir in mittelalterliche Atmosphäre weitere Mauerzüge im Keller des Museums ansehen konnte. In einem der Räume mit schwerer Holzdecke und derben Steinboden war auch ein Lapidarium untergebracht.

Bei den ausgestellten Grabsteinen fiel mir auf, dass in den deutschen Übersetzungen sehr oft das Wort ‚ehrenwert‘ vorkam. Scheinbar war Ehre für die Römer sehr wichtig.

Die Römische Geschichte von Passau sah ich mir dann im Erdgeschoss an. Hier wurde vor allem die Geschichte der verschiedenen Kastelle auf dem Boden des heutigen Passau geschildert.

Durch die geschickte Anordnung von Skizzen und einem Modell des Kastells Boiotro hatte ich die Möglichkeit durch einen Blick aus die Fenster Modell und Wirklichkeit zu vergleichen.

Ein gelungenes Arrangement, dass mir half, die Mauerzüge im kleinen Park vor dem Museum richtig zu deuten. Im ersten Stock ging es dann mit der Geschichte der Region um Passau von der Steinzeit bis zur Neuzeit weiter.

Hier fiel mir auf, dass neben allgemeinen Darstellungen der Region ein großer Teil der Schaustücke aus Künzing stammten. Worüber ich überrascht war, da Künzing ein eigenes Museum hatte.

Am anschaulichsten in jenem Teil der Ausstellung direkt unter dem Dachboden des Museums waren für mich große Landkarten, wo ich die lateinischen und deutschen Namen der römischen Siedlungen gleichermaßen ablesen konnte.

Dabei ging es vor allem um die Gebiete der Provinz Raetia und des spätrömischen Donau-Iller-Rhein-Limes. Im Falle des Rheins reichte die Darstellung bis Straßburg (Argentorate).

Bei den ausgestellten Funden fiel mir besonders eine Sammlung des Arztes Hans Kapfhammer auf. Er hatte das ausgestellte Material (Bestandteile von Trachten, Werkstättenabfälle, Waffenteile) im Laufe der Zeit auf Baustellen gesammelt.

Schon merkwürdig, welch feines Material – es waren sogar golden schimmernde Stücke dabei – man auf Baustellen finden kann, wenn man diese mit Adlerblick inspiziert.

Da ich am selben Tag noch nach Thüringen weiter reisen wollte, beendete ich meinen Museumsbesuch an dieser Stelle und spazierte wieder zum Bahnhof Passau zurück. Diesmal etwas langsamer, da ich bei ein paar Baustellen vorkam…

Quellen / Weiterführende Links