Amazonas Indianer im Linden-Museum

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Viele von uns lesen zumindest einmal wöchentlich etwas über die negativen Folgen der ständigen Abholzung unserer Urwälder. Und über den Kampf der Indianer Amazoniens gegen diese Praktiken. Doch wer sind diese Indianer? Diese Frage beschäftigte mich, als ich mich entschloss die Ausstellung über die Amazonas Indianer im Lindenmuseum zu besuchen.

Ausstellung

Die Ausstellung war lediglich auf zwei Räume verteilt, die mich alleine durch ihre Gestaltung schon sehr gut auf das Amazonas Gebiet einstimmten. Sie waren eher dunkel gehalten und verbreiteten dadurch die drückende schwüle Stimmung des Urwaldes.

Nun gut, die Schwüle war wohl eine Auswirkung des heuer besonders heißen Sommers. Die Anzahl der Exponate war eher klein gehalten, dafür wurden sie aber sehr schön präsentiert und ich konnte mich jedem einzelnen Stück intensiv widmen.

Die Ausstellung teilte sich in drei Teile, die sich Lebensräume, Lebensrituale und Lebensrechte nannten.

Lebensräume

In diesem Teil der Ausstellung erfuhr ich, welcher Teil Südamerikas als Amazonien gilt. Dabei wurden recht eindrucksvoll die Größenverhältnisse dargestellt, indem zum Beispiel der Amazonas Strom und der Rhein nebeneinander auf einer Wand gegenüber gestellt wurden. Nun, der Rhein scheint ein kleines Bächlein zu sein.

Im selben Raum gab es auch einige Fundstücke von archäologischen Ausgrabungen, die mir zeigten, das die Völker dort auch schon Gegenstände jenseits des Baströckchens und der Federkrone kannten.

Sie konnten aber nicht nur hübsch angezogen, sondern auch so richtig giftig sein. In einer eigenen Vitrine fand ich sehr gut die Herstellung und die Wirkung der Giftpfeile erklärt. Um es kurz zu machen, die Völker dort schießen mit Blausäure.

Genial fand ich die Pressen, die in Amazonien verwendet werden. Dazu wird das Pressgut in eine Art Schlauch gestopft. Dieser wird anschließend kräftig in die Länge gezogen, worauf sich sein Querschnitt verengt und das Pressgut noch dichter zusammen gepresst wird. Einfach genial!

Lebensrituale

Aber natürlich haben diese Völker nicht nur gepresst oder mit Giftpfeilen geschossen. Sie haben auch gefeiert!

Die verschiedenen Lebensrituale wurden an Hand der drei Stämme Kaiapó, Karajá und Kubeo im zweiten Raum der Ausstellung dargestellt. Schon beim Eintreten stach mir ein sehr interessanter Spruch von Mondesquieu ins Auge:

„Man beleidigt die Menschen nie mehr, als wenn man ihre Zeremonien und Bräuche verletzt“.

Nun, ich hatte bisher noch nie so darüber nachgedacht, aber ich denke, man sollte sich schon für die Gebräuche anderer Völker interessieren, den meistens haben diese Gebräuche einen tieferen Hintergrund.

Die Rituale erschienen mir zum Teil sehr fremdartig, aber zum Teil auch wieder sehr ähnlich den unseren. Auch die Völker Amazoniens kennen so etwas wie Taufen oder Firmungen oder Beerdigungen. Nur scheinen sie alles mit einem größeren Ernst und mit größerer Konzentration zu feiern.

Während wir unsere Veranstaltungen möglichst kurz halten, um dann gleich ins Wirtshaus zu fahren, bei dem nach einem einstündigen Gelage der obligate Familienstreit ausbricht, scheinen diese Völker ihre Rituale mit einem heiligen Ernst innerhalb der gesamten Dorfgemeinschaft zu feiern.

Wie sie es tun und warum sie es tun wurde in diesem Raum sehr gut erklärt. Zusätzlich wurden verschiedene Masken und Federschmuck gezeigt. Und als Hintergrundmusik gab es rituelle Klänge in der Düsternis des Raumes zu hören.

Besonders toll fand ich den Federschmuck und einige sehr schöne Federkronen. Dabei lernte ich, dass die Farben von Generation zu Generation vererbt werden und quasi so was ähnliches wie bei uns die Wappen der Ritter darstellen.

Lebensrechte

Aber die Völker wollen natürlich nicht nur ab und zu feiern, sondern auch leben. Dass dies aus verschiedenen Gründen nicht immer so gewährleistet ist, konnte ich sowohl im ersten als auch im zweiten Raum erfahren.

So zeigte mir der erste Raum so einiges über die Geschichte dieser Gegend, dass man hier zum Beispiel Gold vermutete, und das dies natürlich der Anfang vom Ende der dortigen Eingeborenen war.

Aber es gibt auch Hoffnung. So werden immer größere Reservate eingerichtet, deren Flächen ich auf einer Landkarte gut erkennen konnte.

Insgesamt empfand ich die Ausstellung als sehr informativ und ging hoch motiviert zu den anderen Räumen des Lindenmuseums weiter.

Und nun ein paar knappe Details über das Museum selbst:

Lage

Das Lindenmuseum befindet sich am Hegelplatz und wurde von mir vom Hauptbahnhof aus mit der Buslinie 42 erreicht.

Gastronomie

Das Museum verfügt über ein eigenes Café mit Schwerpunkt in marokkanischer Küche, es werden aber auch ausreichend deutsche Speisen angeboten.

Museumsshop

Der Museumsshop bot neben den üblichen Büchern auch sehr viel Schmuck und kleine Kunstwerke aus allen Teilen der Erde an. Der Katalog zur Ausstellung kostete 44 Euro und machte auf mich mit seinen 330 Seiten einen recht interessanten Eindruck.

Resümee

Ich fand die übersichtliche und nur auf das Interessanteste beschränkte Ausstellung sehr informativ. Gerade in der Zeit der Diskussion über die ständigen Brandrodungen in Südamerika, half mir diese Ausstellung, eine Bildungslücke über diese Völker dort zu schließen.

Quellen / Weiterführende Links