Ephesos Museum in Wien

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Eingang zum Ephesos Museum in Wien

Nun sind es schon mehr als 100 Jahre, das ein österreichisches Grabungsteam die antike Stadt Ephesos in der Türkei freilegt. 1995 feierte man dieses runde Jubiläum und es sieht ganz so aus, als würde man auch die nächsten Jahrzehnte noch damit verbringen, diese großartige Stadt, in der sich einmal eines der sieben Weltwunder befand, freizulegen.

Einen Teil der freigelegten Statuen, Friese und Ziersteine kann man im eigens dafür eingerichteten Ephesosmuseum in Wien besichtigen. Das Museum ist in der Hofburg von Wien untergebracht. Um genau zu sein, es ist in jenem Trakt der Hofburg untergebracht, den man die „Neue Burg“ nennt. Hier wollte man am Beginn des 20. Jh. für den österreichischen Kaiser neue Appartements errichten. Allerdings wurden sie nie bezogen, da der legendäre Kaiser Franz Josef bereits vor ihrer Fertigstellung verstarb und sein Nachfolger Karl wegen dem Zusammenbruch der Donaumonarchie ins Exil gehen musste.

An einen trüben Wintertag (Januar 2003) hatte ich nun mal die Zeit mir die ausgegrabenen Stücke anzusehen. Bevor ich aber die Eintrittskarte kaufte studierte ich gründlich das Angebot am Museumsshop. Es wurden hauptsächlich Reiseführer und Bildbände über Ephesos angeboten, aber auch Taschenbücher zur griechischen Geschichte. Daneben gab es auch Material über Burgen und klassische Musik zu kaufen. Das liegt daran, das im selben Gebäude auch eine Sammlung alter Musikinstrumente und die Hofjagd- und Rüstkammer der Hofburg untergebracht ist.

Leider fand ich nichts was mir zugesagt hätte. Darum kaufte ich mir nur eine Eintrittskarte (7,5 Euro für Erwachsene ohne Ermäßigung) und nahm einen Auto Guide mit in die Ausstellung. Dieser Auto Guide ist im Vollpreis inklusive. Ich würde jedem empfehlen eine solchen mitzunehmen, da die schriftlichen Beschreibungen der ausgestellten Gegenstände nur marginal sind.

Der Aufstieg ins Museum im ersten Stock erfolgte dann über eine Prunktreppe, die man vor 100 Jahren wohl eher für adelige Besucher der Kaiserfamilie vorgesehen hatte und nicht für solch Touristen wie mich. Aber der Anblick des vielen Marmors und der Kronleuchter ist schon ein Erlebnis für sich. Schon allein deshalb sollte man einmal ins Ephesosmuseum gehen.

Die Ausstellung hätte eigentlich keinen besseren Platz in Wien finden können, den in diesen Räumlichkeiten stehen nun tausende Jahre alte griechische Skulpturen neben ihren erst 100 Jahre alten Nachkommen, als man solche Statuen aus repräsentativen Gründen in den Palästen der aussterbenden Monarchien einbaute.

Natürlich musste ich diese Pracht auch für meine Webseite fotografieren. Fotografieren ist übrigens im Ephesosmuseum ohne Blitz erlaubt. Über diese Gebot wachen einige wenige Aufsichtsorgane, die sich aber vornehm zurückhalten. Als ich dann etwas länger vor dem Partherfries verweilte, machte mich einer der beide Wächter auf eine Diashow aufmerksam, die er für mich einschalten würde. Natürlich habe ich mir die Show angesehen, die mir in farbigen Bildern den Zustand der heutigen Ausgrabungsstätte zeigte.

Wie es am selben Ort mal vor gut 1.500 – 2.000 Jahren ausgesehen hat zeigte mir ein riesengroßes Modell auch Fichtenholz. Hier konnte man sehr gut den Aufbau einer ehemals griechischen Ansiedlung sehen, in der später auch noch die Römer die ihnen wichtigen Gebäude eingesetzt haben. Ephesos war ja bekanntlich für eine Zeit lang Hauptstadt einer römischen Provinz und Hauptquartier des römischen Kaisers in einem Feldzug gegen die Parther.

Fast ein Viertel des Museums ist dann auch einem Fries gewidmet, das man in Ephesos freilegte und nach Wien schaffte. Es erinnert an den glänzenden Sieg der Römer gegenüber die Parther und hat durch seine bildliche Erzählweise fast etwas von einem antiken Comicheft an sich. So sah ich verschiedene Szenen im Leben des Kaisers vom Zeitpunkt seiner Adoption über die Schlacht gegen die Parther bis zu seiner Vergöttlichung.

Götter gab es in Ephesos natürlich genug, sowohl römische als auch griechische. Und natürlich wurden diese in den verschiedenen Tempeln entsprechend verehrt. Besonders berühmt ist wohl der Tempel der Artemis, der zu den sieben antiken Weltwundern gezählt wird. Leider wurde er in der Vergangenheit derart gründlich zerstört, das man ihn im Ephesosmuseum lediglich erwähnen konnte. Nur ein paar Kleinstücke des ehemals riesigen Gebäudes sind ausgestellt.

Neben diesen großen Dingen konnte ich auch einige kleine Details erfahren. Zum Beispiel sah ich die Reste eines Grabtempels, der sich mitten in Ephesos befand. Der Auto Guide verriet mir, das man eigentlich nicht innerhalb der Stadtmauern begraben werden durfte, es sei denn … man war einflussreich oder hatte viel Geld. Aha!

Insgesamt konnte ich mir ein gutes Bild über die Geschichte und dem Aussehen der Stadt Ephesos damals und heute machen. Um alles sehen und verstehen zu können, benötigte ich etwa zwei Stunden. Da man mit der selben Eintrittskarte auch die Waffen- und Musiksammlung besuchen kann, sollte man sich also mindestens soviel Zeit nehmen, wenn man das Museum besucht.

Für den durchschnittlichen Touristen sind die ausgestellten Themen wohl etwas zu speziell, aber allein um die majestätische Prachtentfaltung am Ende der Donaumonarchie in Kombination mit dem antiken Ephesos und den glitzernden Ritterrüstungen der Waffensammlung zu sehen, sollte man zumindest für ein halbes Stündchen vorbeikommen.

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