Lesung mit Michael Obert in Wien

Im März 2010 besuche ich eine Lesung mit Michael Obert. Er stellt sein Buch ‚Chatwins Guru und ich‘ vor. Ich schreibe mit und versuche nicht zu husten.

Denn schon seit Tagen plagte mich ein Hustenreiz. Und ausgerechnet dann musste ich eine Lesung besuchen. Wo man tunlichst dem Autor nicht die Stille raubt.

Der Autor, das war Michael Obert. Der nicht zu gewöhnlichen Lesungen lädt, sondern zu Lese-Shows. Was spannend und beruhigend klingt. Da hört man vielleicht meinen Husten nicht?

Der Ort der Lesung: Der Säulensaal des Völkerkundemuseums in Wien. Toll. Dort hallt jedes Räuspern besonders laut. Aber ein schöner Ort für eine Bücherpräsentation.

Die Stühle sind zur Hälfte gefüllt. Das Publikum sichtbar neugierig, was Michael Obert zu erzählen weiß. Denn Michael Obert liest nicht nur, er erzählt auch. Eigentlich ist es eine Mischung von beidem.

Ich sitze da und höre zu. Von oben beobachten mich zwei Pferde. Besser gesagt zwei Pferdeattrappen die von der angrenzenden Rüstkammer über das Geländer blicken. Ein Scherz des Innendekorateurs?

Worum geht es in dem Buch? Michael Obert hatte auf einer seiner ersten Reisen zwei Bücher von Patrick Leigh Fermor mit. Und beschloss diesem reisenden Schreiberling nachzueifern.

Wir erinnern uns: Fermor war jener junger Mann der 1933 zu Fuß von Rotterdam nach Istanbul wanderte. Michael Obert beschließt eines Nachts sich auf die Fersen von Fermor zu heften, der noch immer in Griechenland an seinen Reiseberichten schreibt.

Die Lesung beginnt genau mit dieser Nacht. Eines fällt mir sofort auf: Michael Obert führt ein spannendes Leben. Seine Erzählungen sind erfrischend und machen neugierig.

Seine Texte sind mir hingegen zu ausführlich. Vieles wird beschrieben was mir in der gegeben Situation nicht als notwendig erscheint.

Aber es kommt gut raus, was es zu erleben gibt, wenn man auf den Spuren von Fermor wandelt. Bzw. was nicht, weil sich seither die Welt um 70 Jahre weiter gedreht hat.

Michael Obert bezieht das Publikum ein. Wir bekommen Augenmasken und hören uns nun seine Text in völliger Dunkelheit an. Die Imagination wirkt, teilweise sehe ich die Felder vor mir, die er gerade beschreibt.

Einige Sätze bleiben in meinem Gedächtnis haften. So zum Beispiel: ‚ … bleibe auf einer Brücke stehen und lasse das Wasser unter mir vorbeirauschen … ‚

Genau! Wir müssen uns nicht immer durch die Gegend hasten. Wir können auch mal stehen bleiben und die Natur einfach geschehen lassen, an uns vorüber ziehen lassen.

Die Zeit zieht auch vorüber. Die Lesung ist zu Ende. Michael Obert lässt es offen, ob er Fermor getroffen hat. Ich frage nicht nach, weil mir dieses offene Ende einfach besser gefällt.

Michael Obert hat mich zweifellos verzaubert, ich bin ihm durch seine Erzählungen auf seinen Reisen tatsächlich gefolgt und nun wache ich wie aus einem Abenteuer auf.

Gut gemacht. Ich gehe ins Freie hinauf, huste mal ordentlich ab und widme mich wieder meinem eigenen bescheidenen Leben. Zum Beispiel werde ich mir jetzt einen Thymian-Tee kochen.

Quellen / Weiterführende Links