Neroberg und Nerobergbahn in Wiesbaden

Nerobergbahn in Wiesbaden, Deutschland

In meiner Heimatstadt Graz gibt es angeblich die steilste Standseilbahn der Welt. Und weil ich nichts glaube, was ich nicht selbst sehe, probiere ich seit einigen Jahren jede Bergbahn aus, die mir auf meinen Reisen unterkommt. Diesmal möchte ich über die Nerobergbahn in Wiesbaden berichten.

Die Bahn führt am Stadtrand von Wiesbaden auf den Neroberg hinauf. Die Anfahrt gestaltete sich für mich sehr leicht. Ich stieg am Hauptbahnhof in den Bus der Linie 1 und fuhr mit ihm bis zur Endstation Nerotal, die gleichzeitig auch die Talstation der Nerobergbahn ist. Es ist übrigens die einzige Buslinie die zur Talstation führt.

Kosten

Die Kosten für die Hin- und Rückfahrt mit der Nerobergbahn betrugen für mich 1,80 Euro. Die Fahrt dauert zwar nur wenige Minuten, ich halte den Preis aber trotzdem für angemessen.

Natürlich kann man den Rückweg auch zu Fuß antreten, was ich aber aus Zeitgründen nicht tat. Es gibt einen Weg zurück ins Nerotal und einen Weg samt Autostraße in die Stadt.

Die Standseilbahn

Das Besondere an dieser aus dem Jahre 1888 stammenden Bahn ist ihr Antrieb aus Wasserballast. Dabei wird der Bergwagen mit Wasser gefühlt, so dass er mit seinem erhöhten Gewicht beim Runterfahren den Tal-Wagen nach oben ziehen kann. In der Mitte treffen sich die beiden Wagen, wobei sie eine Ausweiche nutzen um aneinander vorbei zu kommen.

Diese Technologie ist schon etwas sehr spezielles, darum hat es mich auch sehr gefreut, sie aus nächster Nähe zu sehen. Tatsächlich konnte ich in der Talstation beobachten, wie nach Aussteigen der Fahrgäste das Wasser aus dem Tank mit einem lauten Platsch in eine Wanne unter der Station abfloss. Von dort wird es dann mit Hilfe von Pumpen über eine Wasserleitung in die Bergstation gebracht.

Bei der Bergstation wiederum konnte ich beobachten, wie der Wassertank des Wagens über ein dickes Rohr aufgefüllt wurde. Dabei tropfte das Rohr allerdings ein wenig, diese Tropfen wurden aber fürsorglicher von einer ästhetischen Gießkanne aufgefangen. Es gibt nichts schöneres als ein technisches Provisorium.

In den diversen Prospekten und Plakaten wird dieser Wasserantrieb als besonders leise und umweltschonend beschrieben. In meinen Augen allerdings ein sehr schönes Beispiel der ökologischen Irreführung. Tatsächlich funktioniert die Bahn mit Wasserballast, aber mit was funktioniert die Pumpe, die das Wasser auf den Berg rauf fördert……..?

Fahrgefühl

Aber wer denkt schon an diese technischen Spitzfindigkeiten, wenn man mit 7 km/h die Stunde den Berg rauf zuckelt? Wer beim Einsteigen schnell genug ist, kann vorn beim Fahrer auf der Plattform im Freien mitfahren. Alle andere müssen im Wagen selbst Platz nehmen. Zum Fotografieren sind aber die Plattformen eindeutig besser geeignet. Ein kleines Manko für Leute, die leicht Angst in engen Räumen bekommen: Die Türen lassen sich von innen nicht öffnen! Man muss also warten, bis der Fahrer die Türen von draußen öffnet.

Neroberg

Am Neroberg angekommen war es mit dem Ausflug natürlich nicht zu Ende. Den auch der Neroberg selbst bietet so einiges. Z.b. gibt es dort ein Freibad (Opelbad), das so angeordnet ist, dass man vom Beckenrand auf die Stadt Wiesbaden runter blicken kann. Oder an der Stelle eines ehemaligen Hotels hat man ähnlich einem griechischen Theater eine Mulde mit Stufen angebracht, auf denen die Zuschauer an Theater- und sonstigen Veranstaltungen teilnehmen können. Auch ein kleines Café neben diesem Open Air Theater und ein Restaurant mit Panoramaterrasse neben dem Schwimmbad sorgen für das leibliche Wohl. Aus zeitlichen Gründen habe ich aber diese Gastronomiebetriebe nicht ausprobiert.

Russische Kirche

Den mir war eher danach die bereits im Tal angekündigte russische Kirche zu sehen. Ich mag diese Kirchen wegen ihrer speziellen Atmosphäre sehr. Der Weg zur russischen Kirche war zwar markiert aber ich musste doch sehr genau gucken um ihm zu finden. Auf den Wegekarten war eine Sichtschneise eingetragen, die allerdings durch Niederholz überwuchert war. Hier wollte man wahrscheinlich den Fotografen die Möglichkeit geben, vom Berggipfel aus die russische Kirche zu fotografieren. Wie gesagt, das war nicht möglich. Aber die Kirche bietet auch dann noch einen imposanten Einblick, wenn man direkt vor ihr steht.

Um reinzukommen musste ich 60 Cent bei einem ehrwürdigen Pater für eine Eintrittskarte lösen. Aber ich denke, auch diese Cent waren es wert. Der Innenraum ist eher klein, hat aber eine tolle Dekoration zu bieten. Überall schimmern die Figuren der Heiligen in hellen Farben auf goldenem Grund. Auch die ausgestellten Ikonen fand ich faszinierend, sind sie doch so gänzlich anderes als die Kirchenbilder in katholischen oder evangelischen Kirchen.

Aber dann wurde es wieder Zeit für die Rückfahrt. Während den Sommermonaten fährt die Bahn alle 15 Minuten, dadurch ist es sich leicht zu merken, wann man wieder bei der Station sein muss. Leider erwischte ich wieder nicht die Plätze an der Plattform, da ich dieses gute Sichtfeld lieber einer Mama mit ihren beiden aufgeregten Kindern überließ.

Museum

Die Wartezeit auf den Bus überbrückte ich dann mit einem Besuch im Museum, das in einem ehemaligen Toilettenhäuschen untergebracht war. Hier wurde die Geschichte der Seilbahn mit einigen Originalteilen sowie Plakaten, Fahrkarten, Betriebsanweisungen etc. dargestellt. Auch über das technische Prinzip waren einige Skizzen zu sehen. Lustig fand ich das heute nicht mehr verwendete Verbotsschild „Das Pflücken von Blumen ist während der Fahrt nicht gestattet“

Resümee

Die Fahrt auf den Neroberg war für mich sowohl technisch als auch kulturell eine sehr schöne Sache. Ich würde jedem Besucher der Stadt Wiesbaden empfehlen, einen Besuch des Nerobergs samt russischer Kirche einzuplanen. Mein Gesamtaufenthalt einschließlich Anfahrt vom Hauptbahnhof und retour betrug etwas mehr als 2 Stunden.

Quellen / Weiterführende Links