Im Juni 2008 besuchte ich passend zur anlaufenden Fußball-Europameisterschaft in Wien und Zürich eine Ausstellung über den Fußball im Wiener Künstlerhaus.

Die Ausstellung begann lustig. Großbildleinwände zeigten die Geschehnisse in Ashbourn/Derbyshire wo jedes Jahr zu Aschermittwoch das Oberdorf gegen das Unterdorf antritt.

In diesem Spiel ohne Regeln kämpfen hunderte Dorfbewohner um einen Ball, der quer durch das ganze Dorf auf eine Markierung getrieben werden muss.

Ein uraltes Spiel, wo aber zum Glück der heutige Fußball weit entfernt ist. Es gibt Regeln, es gibt Trikots, es gibt Schiedsrichter und gefoult wird eher beim Kampf um den Parkplatz vor dem Stadion.

Die Ausstellung teilte sich dann in zwei Bereiche, je einen für den Spieler und einen für den Zuschauer. Ich wählte den Bereich für den Spieler zuerst.

Zahlreiche Fotos aus aller Welt zeigten mir Fußballplätze, manche im Turnierbetrieb, manche aber auch nur für den Fußball umfunktionierte Straßen und Höfe.

Das interessante an diesen Fotos war die Möglichkeit, ein wenig von der individuellen Landschaft zu sehen, während ja die riesigen Fußballstadien jede Landschaft platt machen..

Das nächste Thema war interessant für den an Geld interessierten. Hier wurde gezeigt, wie große Vereine die guten Spieler an sich ziehen, und wie die kleinen Vereine ihnen zuarbeiten.

Im Bereich des Trainings und des Checks musste ich dann selber was tun. Ich hatte hier die Möglichkeit meine Balance zu testen bzw. meine Ausdauer zu erproben.

Bei der Balance erreichte ich einen guten Wert, auf die Ergometer setzte ich mich wegen der sommerlichen Hitze aber nicht. Die wirkten schon vom Ansehen her schweißtreibend.

Nach einigen künstlerischen Umsetzungen des Themas Stadien kam ich in den Kinosaal, wo ich auch etwas länger blieb und mir alle Filme ansah.

Hier wurden 'große' Szenen aus dem Weltfußball mit Szenen aus bekannten Kinofilmen gemixt. Dadurch bekam das Auftreten der verschiedenen Spieler einen speziellen Touch.

Vor allem wenn sie kämpferisch in die Runde blicken und dazu hört man die Filmmelodie 'Spiel mir das Lied vom Tod'. Das der Sieg Österreichs über Deutschland in Cordoba mit dem Film "David gegen Goliath' geschnitten wurde, lasse ich jetzt mal unerwähnt.

Aber  die Filme lösten doch einen Nachdenkprozess in mir aus. Ähnlich wie Filmklassiker haben sich manche Szenen im Fußball zu Klassikern entwickelt, nur eben ganz ohne Regisseur.

Im weiteren Verlauf stieß ich dann noch auf so Themen 'Was trägt man im Stadion' und welche Fantypen gibt es eigentlich. Gerade das mit der Kleidung fand ich interessant, hatte sich diese doch im Laufe der Zeit verändert.

Erinnerungen an die Kindheit lösten dann ausgestellte Sammelbände aus, wo man Fotos von Spielern einkleben konnte. Was war das damals für ein großes Begehren einen 'Platini' zu ergattern

Und wie viel Geld der Eltern ging damals für die kleinen Briefchen mit Foto drauf? Laut der Ausstellung hat der Marktführer auf diesem Gebiet Panini im WM Jahr 2006 4,2 Milliarden Bilder verkauft!

Nach dem Erdgeschoss verfolgte ich die Ausstellung im ersten Stock weiter. Hier ging es um so Themen wie Berichterstattung in Presse, Radio und Fernsehen, bzw. um die Entwicklung der Meisterschaften im Laufe der Zeit.

Ein ganzer Saal war mit Andenken an jener Zeit gefüllt als es noch keine Europameisterschaften gab. Zeitungsausschnitte und Fotos wiesen auf die Vorläufermeisterschaften wie den Mitropacup hin.

Bei Fotos wurde vor allem das Problem thematisiert, dass es anfänglich schwer war schnelle Ballspiele zu fotografieren. Erst mit der Zeit waren die Fotoapparate reif genug dafür.

Im Radio hatte man wiederum das Problem, wie sagt man es dem Zuhörer, der das Spiel selbst ja nicht sehen kann? Gute Reporter waren damals rar gesät und fast schon selber so eine Art Star.

Das Fernsehen brachte wieder neue Probleme aber auch Möglichkeiten mit sich. Nun konnte man das Spiel auch aus der Ferne sehen, aber der Ball musste dafür erst kameratauglich gemacht werden.

Interessant hier so Details, wie man den Rasen mähen muss, damit man als TV Zuseher die Streifen am Spielfeld sehen kann und so erst über Dinge wie Abseits oder Nichtabseits streiten kann.

Das letzte Thema war der Sicherheit in den Stadien gewidmet. Bilder von Unglücken in Stadien wurden gezeigt, aber auch über die Gewalt im Sport nachgedacht.

Die letzte Ecke handelte dann wohl eher von der Scheingewalt. Da wurde gezeigt, wie man fachgerecht eine 'Schwalbe' macht. Kann ich leider als Nichtfußballer kaum anwenden.

Insgesamt war es eine interessante Ausstellung, welche neben den Informationen auch mit originalen Stücken und originellen Kunstwerken aufwartete...

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