Im Juli 2008 besuchte ich die Ausstellung '80 Jahre Che Guevara - Das Kultbild einer Generation' im Fotomuseum Westlicht.

Wie es sich für ein Fotomuseum gehört, beschäftigte sich die Ausstellung besonders mit Fotografien, auf denen Che Guevara abgebildet war.

Eines dieser Bilder hatte Geschichte gemacht, wurde regelrecht zu einer Ikone mehrerer Generationen und politischer Einstellungen. Was es mit dem Bild auf sich hatte, wurde in der Ausstellung näher beleuchtet.

Eine eigene Tafel widmete sich der 'Biographie' des Fotos, welches von dem kubanische Fotograf Alberto Díaz Gutiérrez 'Korda' anlässlich einer Trauerfeier angefertigt wurde.

Eine Trauerfeier, die jenen gewidmet war, die bei der Explosion des Schiffes 'La Coubra' am Vortag im Hafen von Havanna ums Leben gekommen waren.

Das Schiff hatte Munition geladen und die Vermutung lag nahe, dass es sich bei dem Unglück um Sabotage gegen Kuba handelte. Dementsprechend war auch die Stimmung von Che Guevara, als seine Haltung und sein Blick von Korda verewigt wurde.

Um diese Information bereichert bekam dieses spezielle Abbild von Che Guevara, welches man so oft auf Transparenten und T-Shirts sehen kann, für mich ein neues, zusätzliches Leben.

Der eigentliche Urheber des Fotos, Alberto Korda, schien zunächst keinen Einfluss darüber zu haben, welchen Weg das Foto in den folgenden Jahrzehnten nahm.

Umso interessanter, dass er nun in der Ausstellung auch mit seinen anderen fotografischen Werken gewürdigt wurde und ich so ein wenig den Mann hinter der Kamera kennenlernen konnte.

Aber auch dem Mann vor der Kamera, Ernesto Guevara de la Serna, wurde in der Ausstellung an Hand von weiteren Fotos, einer Tafel zu seinem Lebenslauf, und zwei Filmen gedacht.

Laut Ausstellungsbeschreibung wollte man bei der Präsentation der Fotos auch der Frage nach gehen, warum Persönlichkeiten wie Che Guevara heute noch so eine Faszination ausüben.

Für mich persönlich habe ich vielleicht eine Antwort gefunden. Während andere Revolutionen dazu führten, dass die neuen Machthaber wie ihre Vorgänger Galauniformen oder graue Mäntel trugen, blieben Che und seine Mitstreiter ihren Kampfanzügen treu.

Es war für mich faszinierend in der Ausstellung zu sehen, wie konsequent Guevara in seiner Kampfmontur mit Pistole im Halfter und Zigarre im Mund posierte, selbst wenn er als 'Industrieminister' oder als 'Nationalbankpräsident' abgelichtet wurde.

Auch bei Eröffnungen, wie zum Beispiel einer neuen Fabrik, trat er bewaffnet an das Rednerpult, als ob der politische Gegner jederzeit auf dem Fabrikgelände auftauchen könnte. Das gab ihm wohl den Touch des Verwegenen, des ständig Kämpfenden.

Beim Betrachten der SW Fotos überlegte ich mir auch noch, ob die bei diesen Personen noch so oft angewandete SW Fotografie vielleicht auch eine Rolle gespielt haben mag.

Das Schwarz-Weiß scheint ja jede Emotion, wie z.B. Kampfgeist, noch zu verstärken, während man auf Farbfilmen in den grünen Drillichanzügen schon weniger heroisch aussieht.

Die Fotoserien wurden durch zwei Filme ergänzt, in denen z.B. Mitglieder der engeren Gruppe rund um Che Guevara zu Wort kamen. Und wo auch die politischen Umstände seines Todes und die Suche nach seiner Leiche geschildert wurden.

Es dauerte 30 Jahre bis Kuba sich seines Kämpfers wieder besann und nach seinen Überresten suchte. Diese wurden auch  nach langem Graben unter einem Flugfeld im bolivianischen Vallegrande gefunden.

In diesem einen Film wurde neben den sonstigen sterblichen Resten auch der gefundene Knochenschädel in  Nahaufnahme gezeigt. Dabei ergab es sich, dass ich sowohl den Schädel, als auch die Portraitfotos in der Ausstellung gleichzeitig im Blick hatte.

Was auf mich wie eine zufällige Installation in einer Art memento mori (sinngemäß: Gedenke, dass du sterben musst) wirkte. Auch der auf seinen Fotos so lebendig und kämpferisch wirkende Che musste sterben, doch sein Bild lebt weiter...

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