Augusta Vindelicum, das Römische Augsburg

Wo liegt das Legionslager der römischen Invasionsarmeen von 15 v. Chr.? Zwar hat man durch einen sonderbaren Zufall das Inventar des Lagers gefunden, der Standort selbst bleibt aber noch verborgen. Das ist aber nicht die einzige Merkwürdigkeit im römischen Augsburg.

Obwohl Augusta Vindelicum seinerzeit ein großes Verwaltungszentrum war, muss man die römischen Spuren heute mit der Lupe suchen, oder eine Kirche besuchen. Die Sammlung der römischen Überreste ist nämlich in einer Kirche der Dominikaner untergebracht, was wohl nicht so oft in der Museumsgeschichte vorkommt.

Dafür kann man im ruhevollen Ambiente eines Licht durchfluteten hohen Kirchenraumes die Reste eines Legionslagers und der römischen Verwaltungsstadt bewundern. Das römische Museum findet man, indem man die Maximilianstraße bis zum Herkulesbrunnen hinunter schreitet und beim Brunnen in eine Seitengasse zur Dominikanerkirche einbiegt.

Während ich die breite Maximilianstraße hinunterging musste ich daran denken, dass ich wahrscheinlich gerade auf ein paar Metern der Via Claudia Augusta ging, die seinerzeit von Venedig herauf nach Augsburg gebaut wurde und einen Teil des Marschweges der siegreichen Truppen des Drusus nachbildet.

Wer diese Straße gerne hautnah erleben möchte, kann das im Schweiße seines Angesichts entlang eines eigens dafür angelegten Radweges tun. Wen man dann völlig erschöpft vom Drahtesel fällt kann man sich ja noch damit trösten, dass seinerzeit die Legionäre dieselbe Strecke mit vollem Marschgepäck zu Fuß bestreiten mussten.

Mit dem Legionslager ist es so eine Sache. Man weiß zwar, dass irgendwo am Zusammenfluss der Wertach und des Lechs eine Standlager für eine römische Legion gewesen sein muss, aber der exakte Standort blieb bis heute verborgen. Trotzdem weiß man heute so einiges über dieses Lager, da sich große Teile des Lagerinventars vor einigen Jahren in einer Kiesgrube finden ließen.

Scheinbar hat nach Zerstörung der Lagers ein Flutwelle die Kleinteile fortgeschwemmt. Diese Teile konnte ich mit all den Haken und Ösen einer römischen Legion in der oben erwähnten Kirche begutachten. Etwas weniger erfolgreich war dann mein Ausflug in das äußere Pfaffengässchen wo man vor einigen Jahren die Überreste eines Pferdestalls freilegte und auf Basis der vorgefundenen Größenverhältnisse zu spekulieren begann ob sich vielleicht eine Reitereinheit in Augsburg befunden hätte.

Nun, ich fand an den angegebenen Stelle lediglich ein paar Neubauten und ein paar Pferdestärken in Form von parkenden Autos. Also wäre es wohl besser gewesen ich hätte das interessante Faltblatt über die Bedeutung des Pferdestalls in einem gemütlichen Gasthof durchgelesen und es dabei bewenden gelassen. Ein kleiner Ausgleich ist aber sicher der sehr interessant wirkende Pferdekopf im römischen Museum.

Auf dem Rückweg vom äußeren Pfaffengässchen kam ich an einem Haus vorbei, dass zwar nicht aus der Römerzeit stammt aber doch einen Bezug zum alten Rom hat: Das Peutingerhaus. Hier lebte jener Gelehrte namens Peutinger, der im Mittelalter eine Landkarte entdeckte, die eine Kopie einer alten römischen Wegekarte darstellte. Auf dieser Karte kann man die einzelne Orte des römischen Imperiums samt Meilenangabe der Entfernungen dazwischen ablesen.

Diese heute in Wien aufbewahrte Karte ist bei den Historikern unter dem Namen Peutinger Karte bekannt. Leider viel zu spät am Abend schaute ich am Dom vorbei und entdeckte neben einer frühchristlichen Taufanlage ein paar römische Fundstücke entlang einer Mauer gereiht.

Darunter auch ein prächtiges Exemplar einer in Stein gehauenen Zirbelnuss, dem Wappenzeichen der Stadt Augsburg. Diese Zirbelnuss wurde als Fruchtbarkeitssymbol bereits von den Römern mitgebracht und sollte als Fotomotiv nicht ausgelassen werden.