Colonia Agrippinensis, das Römische Köln

Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit! So lautete der Titel eines Buches, das mich als kleiner Junge derart inspirierte, dass ich beschloss eines Tages den römischen Limes zu bereisen. Besaßen die Römer schon Fahrstühle? Mal sehen….

Nun stand ich also auf dem Hauptbahnhof von Köln und harrte der Dinge die da noch kommen werden. Um die Zeit bis zum Öffnen der Museen gut überbrücken zu können stapfte ich also im Morgengrauen bei tiefen Nebel am Kölner Dom entlang und traf schon auf die ersten römischen Spuren. Donnerwetter, das ging aber schnell! Die Nordmauer des römischen Köln verlief nämlich in etwa auf der Höhe des Doms und nicht weit davon befand sich auch das große Nordtor. Von diesem sieht man heute nur mehr eine kleine Pforte und diese wurde ein wenig versetzt, damit sie den Reisebussen der Touristen nicht im Wege steht. Der große Bogen des Tores ist übrigens auch erhalten geblieben und ist nun ein Ausstellungsstück im Römisch-Germanischen Museum nicht weit davon entfernt am Roncalliplatz. Aber noch ist es nicht 10:00 und damit bleiben dort nicht nur die Tore sondern auch die Glastüren verschlossen.

Darum marschierte ich die gedachte ehemalige römische Mauer entlang bis ich auf den so genannten Römerbrunnen stieß. Dieser besteht stilgerecht aus ehemaligen römischen Bildtafeln und auch eine Wölfin kann man hoch oben auf einer Säule bewundern. Sieht alles wunderbar aus, ist aber leider nicht aus jener Zeit als man in dieser Stadt noch nicht Kölsch sondern lateinisch sprach. Vielmehr handelt es sich um eine nachträgliche Installation aus dem 19. Jh.

Oberhalb des Brunnens legte ich dann höchstpersönlich eine Tafel frei – besser gesagt, ich befreite sie mit dem Fuß vom Herbstlaub – die sehr gut den Verlauf der römischen Mauer darstellt und wo man sich gerade befindet. Also, bei römischem Gemäuer immer nach Tafeln im Boden Ausschau halten, das erleichtert die Orientierung!

Während ich die Tafel fotografierte wurde ich übrigens von einer Horde kreischender Polizeiautos umrundet was sich aber später als Einsatz in der benachbarten U-Bahnstation entpuppte und nicht etwa der Verfolgung von Hobbyfotografen wie mir diente. Aber wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht munter war, ab jetzt war ich es sicher.

Beschwingt marschierte ich die neben dem Zeughaus noch gut sichtbare Römermauer Richtung Norden und gelangte so zum so genannten Römerturm. Früher war er ein Eckturm im römischen Köln, heute birgt er eine Galerie in seinem Bauch.

Nach diesem Ausflug an die Nordwestecke von Colonia eilte ich in die U-Bahn um mich genau in die andere Ecke des alten Colonia Agrippinensis zu begeben. Ich war übrigens der einzige in der U-Bahnstation, entweder fährt um diese Zeit niemand mit dem unterirdischen Zug oder die Polizisten haben vorhin wirklich alle mitgenommen.

Über die Deutzer Brücke ging es nun in den Stadtteil Deutz. Ungefähr an der selben Stelle baute im Jahre 310 die XXII. Legion eine Brücke über den Rhein und errichtete ein stark befestigtes Kastell an anderen Rheinufer. Die Grundrisse des Kastells kann man im Straßenpflaster zumindest teilweise nachvollziehen, da sie mit dunklerem Stein markiert sind. Zumindest hat man hinterher eine Ahnung wie groß ein Kasernengebäude bei den Römern um diese Zeit war.

Jetzt war es aber Zeit das römisch-germanische Museum zu besuchen. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass es einige sehr schöne Mosaike beherbergt, die zum Teil genau an der Stelle des Museums gefunden wurden. Besonders eindrucksvoll sind auch andere Exponate, wie z.B. die Darstellung eines typischen römischen Wohnzimmer mit dem damals üblichen Mobiliar.

Auf dem Weg in den Keller kommt man übrigens an einem großen Wandbild vorbei, wo das römische Köln aus der Vogelperspektive dargestellt wird. Hier kann man gut erkennen, wie sich dieses antike Köln an dem Rhein anschmiegte, wie die damals noch vorhandene Rheininsel genutzt wurde, wo sich das Kastell Deutz befand und wie es diese eine große Brücke über den Rhein sicherte.

Aber zurück ins römisch-germanische Museum. Wenn man die Treppe ins Obergeschoß hinauf geht, kommt man gleich an den großen Bogen vorbei, der ursprünglich im Nordtor eingebaut wurde. Dahinter in einer Art nach gebauten Burgmauer eine interessante Ausstellung über römische Fresken wo ich verdutzt feststellen konnte, dass die heutigen Archäologen aus ein paar Fundstücken ein ganzes Bild rekonstruieren können. Das stelle ich mir ist ungefähr so schwer, wenn jemand ein Puzzle zusammensetzt, wo der Hund soeben nicht nur die Vorlage sondern auch gut 2/3 der Einzelteile gefressen hatte.

Das nächste beeindruckende Teil ist die Rekonstruktion eines Reisewagens. Hier kann man gut erkennen, wie sich die alten Römer die Federung eines Fahrzeuges vorgestellt haben, sie hängten den Wagenkasten einfach mit Lederstriemen in das Fahrgestell ein.

Auffallend für mich war allerdings, dass es in dem Museum sehr viel einzelnes Material zu sehen gab aber kaum schematische Darstellungen, wie ich es schon in vielen anderen Ausstellungen gesehen habe. Die Liebhaber von Goldschmuck und anderen filigranen Teilen kommen aber voll auf ihre Rechnung.

Im Erdgeschoß wurde ich übrigens meinem eigentlichen Vorhaben untreu und besuchte eine Sonderausstellung über die Pyramiden. Die Ausstellung konzentrierte sich voll auf die verschiedenen Arten von Pyramiden und der historische Hintergrund dieser Varianten. Habt ihr gewusst, dass es auch in Deutschland zahlreiche Pyramiden gibt, allerdings in deutlich kleinerer Ausführung.

Nac dem Exkurs in das Reich der Pharaonen marschierte ich die alte römische Hafenstrasse hinunter um mich dem Rathaus von Köln zu widmen. Dort gibt es im Keller des so genannten spanischen Baus die Überreste des Prätoriums zu sehen. Dazu fährt man mit dem eingangs erwähnten Fahrstuhl vom Erdgeschoß in den Keller und schreitet an einem lustigen Wächter vorbei in einen Saal wo man zahlreiche römische Gottheiten bewundern kann.

Hinter einer Glastür beginnt aber der eigentlich interessante Teil. Die Reste des ehemaligen Palastes des römischen Statthalters. Unter einem riesigen Betongewölbe erstrecken sich die langen Mauerzüge des Palastes, der einmal mit seiner ganzen Pracht auf der zu den Germanen gewendeten Seite Kölns beeindrucken sollte.

Spannend wird es dann, wenn man noch eine Etage tiefer geht. Dann befindet man sich plötzlich in einem alten römischen Abwasserkanal der sich in einem erstaunlich guten Zustand einige hundert Meter unter der Kölner Altstadt hindurch zieht. So „unterwanderte“ ich Köln in einem mehr als 1600 Jahre alten Gewölbe, bevor ich wieder über die Treppen die Außenwelt erreichte.

Und was war jetzt mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit? Der war leider außer Betrieb!