Immer wenn ich mit der Bahn am Wiener Südbahnhof eintraf, sprangen mir die wunderbar altmodischen Plakate des in der Nähe gelegenen Heeresgeschichtlichen Museums derartig ins Auge, das es nur mehr eine Frage der Zeit war, wann ich es besuchen würde.

Und so stand ich eines kalten Wintertages an den Toren eines der architektonisch bemerkenswertesten Militärmuseen Europas.

Ausstellung

Dieses in den Jahren 1850 bis 1856 nach den Plänen von Ludwig Foerster und Theophil Hansen ursprünglich als Kaserne errichtete Museum ähnelt mit seinen neugotischen und maurischen Architekturelementen nämlich fast schon einer orientalischen angehauchten Festung aus dem Mittelalter.

Über den Inhalt ließe sich kurz sagen, das die Militärgeschichte Österreichs vom 16. Jh. beginnend bis heute dargestellt wird. Dazu noch ein Panzerpark im Garten, der allerdings während meines Besuches leider geschlossen war.

Aber nun zur Ausstellung selbst. Ich begann meinen Ausflug in chronologisch richtiger Reihenfolge im ersten Obergeschoß des Gebäudes. Dazu musste ich zunächst die Prunktreppe bezwingen, misstrauisch beäugt von einer Reihe von Feldherren, deren Statuen in der Halle aufgestellt waren.

Oben angelangt hielt ich mal den Atem an, den was ich hier sah, würde wohl eher in den Palast eines orientalischen Fürsten passen, als in den Räumen eines heeresgeschichtlichen Museums.

Denn ich stand in der Mitte einer großen Halle, umgeben von zahlreichen eher eng stehenden Säulen und betrachtete fasziniert die Kuppel des Raumes. Die Decke war verziert mit Schlachtenszenen, eingefasst in golden wirkenden Rundbögen.

Nachdem ich fertig gestaunt hatte, wandte ich mich nach links, wo ich die Geschichte Österreichs von der Zeit des dreißigjährigen Krieges bis zum Zeitalter des Feldherren Prinz Eugen vorfinden sollte.

In diesem Zeitraum fielen bekanntlich die Türkenkriege und so stand ich bald zahlreichen Gegenständen gegenüber, die die Türken bei ihren beiden Belagerungen von Wien zurück gelassen hatten. Auch an Schlachtengemälden mit Szenen jener Zeit fehlte es nicht, darunter auch das berühmte Bild vom Sturmangriff der kaiserlichen Entsatztruppen auf das belagerte Wien 1683.

Derartig auf Österreichs weitere Geschichte eingestimmt wandte ich mich nun dem anderen Flügel des Gebäudes zu, indem ich wieder ein paar Jahrhunderte zurück marschierte, die tolle Halle mit den Säulen durchquerte, und nun in die Zeit der Franzosenkriege und Revolutionen eintrat.

Hier wurde ich schon mal zünftig mit der französischen Hymne begrüßt und dann schritt ich zu den Klängen der Marseillaise die zahlreichen Büsten ab, die mir in den Begleittexten etwas über verschiedene österreichische Feldherren erzählten.

Die französischen Klänge irritierten mich dabei kein bisschen, war doch die Geschichte Österreichs in jener Zeit doch sehr eng mit Frankreich verwoben, zeitweise sogar vermählt. Der große Napoleon war nämlich für ein paar Jahre mit einer österreichischen Kaisertochter verheiratet und auch ihr gemeinsamer Sohn lebte und starb in Wien.

Neben all den Uniformen, Säbel, Trommeln und Medaillen fiel mir übrigens ein Schaustück besonders ins Auge. Es handelte sich dabei um einen Ballon, den die Franzosen schon Ende des 18. Jh. bei ihren Feldzügen zur Erkundung der gegnerischen Stellungen einsetzten. Irgendwie scheinen wir Österreicher das gute Stück erbeutet zu haben und nun hängt es in Wien und lässt sich von mir anstarren.

In den selben Sälen wurde auch über die Zeit der Revolution 1848 berichtet, eine reichlich verworrene Geschichte. An Hand einer CD-Rom orientierte ich mich über die Ereignisse an jenen Revolutionstagen in und um Wien, die zwar nicht so sehr informativ, aber vielmehr eine beeindruckende Sammlung von Gemälden und Skizzen über diese schlimmen Ereignisse aufwies.

Leider kam es ja in der österreichischen Geschichte später noch schlimmer, den der erste Weltkrieg brach aus. Dazu musste ich aber wieder ein Stockwerk tiefer gehen, noch immer misstrauisch beäugt von den Statuen der Feldherren, die sich wohl fragten, ob ich sie wohl in meinem Museumsbericht erwähnen würde.

An einer Sonderausstellung über Bilder von Kurt Weil vorbei, gelangte ich nun in den Franz-Joseph-Saal. Dieses wurde dominiert von einem alten Automobil, das an einem sehr entscheidenden Ereignis beteiligt war.

Es war jener Wagen, wo Erzherzog Franz Ferdinand 1914 in Sarajewo tödlich verwundet wurde. Der Wagen schien es bis auf ein paar Schusslöcher sehr gut überstanden zu haben. Der Erzherzog bekanntlich weniger, was die ebenfalls ausliegende blutbefleckte Uniformjacke und das Sofa daneben deutlich darstellten. Auf diesem Sofa hauchte er sein Leben aus und bald darauf begann der erste Weltkrieg.

Dieser begrüßte mich mit einer drohenden Kanone, die mir finster aus dem nächsten Raum entgegen starrte. Dabei handelte es sich aber nicht um einen kleinen Einpfünder, nein, es war vielmehr ein Riesengeschütz mit einem mächtigen Ladekran zum Einführen der Munition in die Abschussvorrichtung.

Während die bisherigen Schaustücken irgendwo in der nicht greifbaren Vergangenheit lagen und mich nur im abenteuerlichen Sinne berührten, ging es mir ab nun schon etwas mehr unter die Haut. Ein Film zeigte mir Szenen aus dem ersten Weltkrieg, wo zum Beispiel sehr gut raus kam, wie die Begeisterung der Soldaten allmählich im Schnee des Ostens, im Eis der Alpen und im Schlamm Frankreichs versiegte.

Die ausgestellten Gegenstände waren nun nicht mehr bunt und glitzernd, sondern nur mehr schmutzigbraun, zum Teil auch überraschend pervers, wenn ich mal an die ausgestellten Totschläger für die Grabenkämpfe denke. Auch die zahlreichen Gemälde von Schlachten machten einen eher depressiven Eindruck auf  mich.

Bei der Vielzahl der Geschütze, zwischen denen ich mich bewegen durfte machte sich natürlich der heimliche Ingenieur in mir bemerkbar, der die Technik verstehen wollte, bei den Schilderungen von Sprengungen ganzer Bergkuppen in den italienischen Alpen war mir lieber die Details nicht genauer zu wissen.

Bizarr dazu noch zwei aufgebaute Panzerkuppeln (eine davon von einer alten österreichischen Festung tief in der heutigen Ukraine), wo Granattreffer tiefe Risse erzeugt hatten, und wo in der einen Kuppel das Eisen der Granate mit dem Eisen der Kuppel zu verschmelzen schien. Irgendwie bekam ich schon Ohrenschmerzen allein von dem Gedanken, wie laut der Einschlag für die Leute in diesem Bunker gewesen sein muss.

Nun zog es mich weiter, ich durchquerte wieder die Eingangshalle, spazierte durch den Museumsshop und dem Museumscafe ... doch nein... ich hielt mal inne. Ich hatte Hunger und genehmigte mir eine einfache Wiener Mahlzeit, ein Paar Debreziner, und weiter ging es in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg.

Was soll ich sagen, es wurde nicht schöner, wenn es auch sehr interessant bliebt. Das Museum hatte nun seinen Glanz verloren, die Räume waren nüchtern und moderner geworden, und das Kriegsgerät zunehmend technischer und vertrauter.

In zwei weiteren Filmen informierte ich mich über die Ereignisse Österreichs von 1918 bis 1945 und mir wurde dabei mulmiger und unbehaglicher, den scheinbar haben wir Österreicher uns in der Zeit von 1918 bis 1938 einander überhaupt nicht gemocht.

Mehrere Parteien hielten sich ihre eigenen bewaffneten Verbände, die zu verschiedenen Anlässen sich zumindest prügelten, manchmal auch beschossen. 1934 kommt es dann zum großen Knall, ein Zusammenstoß zwischen Heimwehr und Schutzbund führt zu einen Bürgerkrieg, wenig später stirbt der Kanzler bei einem Putsch der Nationalsozialisten.

Auch hier einiges Material über jene Zeit, auch hier ein Sofa, auf dem der angeschossene Kanzler Dollfuss sein Leben aushauchte. Erschreckend für mich zahlreiche Plakate, in denen Österreicher aufgefordert werden, dem jeweils anderen Österreicher nicht zu trauen, natürlich unter anderen Bezeichnungen formuliert, wie etwa Pfaff (Geistlicher), Bonze, Jude, Bolschewike usw. usw.

Wenn sich zwei streiten freut sich bekanntlich der Dritte, beinahe übergangslos gelange ich in jenen Teil der Ausstellung, als das völlig zerstrittene Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde, und auf den österreichischen Uniformen das Hakenkreuz auftauchte.

Zahlreiche Uniformen  zeigten mir das Hakenkreuz auf verschiedenem Grund, das Weiß der Marine, das Grau der Wehrmacht, das Blau der Luftwaffe, aber auch das Schwarz der SS. Dazu noch zahlreiche Waffen und das eine oder andere interessante Dokument.

Darunter zum Beispiel eine Faksimile von jenem Walküre Befehl, mit dessen Hilfe am 20. Juli 1944 in Wien versucht wurde, die Truppen der Gestapo und der SS mit Hilfe von Wehrmachtseinheiten zu verhaften.

Aber auch schwere Waffen wurden gezeigt. Darunter das Riesending einer Flugabwehrgeschützes (die berühmte 8,8). Kalt und drohend stand es hier, den Blick jedes Besuchers sofort auf sich ziehend. Da mich keine Schranken daran hinderten, sah ich es mir in Ruhe an, beäugte all seine Details, versuchte alle technischen Raffinessen zum Einstellen und Ausrichten der Waffe zu verstehen.

Und leicht schaudernd betrachte ich den steilen Anstellwinkel des Rohres, in dem die Ladeschützen quasi in Akkord die schweren Sprenggranaten einschieben mussten, sorgfältig darauf achtend, das sie sie an nichts die Finger verbrannten, klemmten oder zertrümmerten.

Das dann alles trotzdem in Trümmer fiel zeigten mir verschiedene Aufnahmen, auch geborstene Bunkerteile der Auffangstellungen im Osten Österreichs wurden gezeigt.

Nach soviel Schrecken und Entsetzen über menschlichen Irrsinn und Dummheit gelangte ich in den letzten Teil des Museums. Dieser war der Marine Österreichs gewidmet.

Nun, das kleine Gebirgsland Österreich war doch tatsächlich auch mal eine Seemacht mit schönen Häfen in Triest, Fiume und entlang der dalmatinischen Küste.

Auch bauten wir neben kleinen Schiffen mehrere große Schlachtschiffe, die wir aber nur ungern einsetzten, wie mir eine Tafel erklärte. So ein schönes Kriegsschiff könnte ja auch mal  untergehen 'und des hätt' dem Kaiser sicha net gfreut'

Natürlich waren auch diese Schiffe Instrumente des Krieges und der Zerstörung, doch irgendwie merkt man es Schiffen nicht so an. So guckte ich fasziniert in ein riesiges Schnittmodell der 'Viribus Unitis', wo ich genau erkennen konnte, wie sehr sich die großen Kanonentürme in ihrer Konstruktion bis ganz tief in den Rumpf fortsetzten. Oder wie die Munition befördert wurde und wie unglaublich groß der Stauraum für die Ankerkette war.

Und weiter wie klein sich die Mannschaftsunterkünfte im Vergleich zu dem großen Salon am Heck des Panzerschiffes ausmachten, wo man fast den Eindruck haben musste, dort aßen die Offiziere gemeinsam mit ihren Frauen Sachertorte und Schlagobers.

Aber auch Entbehrungen wurden dargestellt, zum Beispiel in Form von beeindruckenden Ölgemälden mit Motiven aus dem hohen Norden der Arktis. Dort hatte sich noch in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg ein österreichisches Schiff im Packeis verirrt und nur mit großer Tatkraft und Glauben an Gott gelang es der Mannschaft sich doch noch zu einem russischen Stützpunkt zu retten.

Doch damit war auch mein Besuch des Museums zu Ende und rettet meine Leser vor noch mehr Zeilen zu diesem Thema. Wer sich die Stücke lieber persönlich ansehen möchte, findet im Anschluss noch ein paar Details zur Ausstellung.

Lage

Für mich war das Heeresgeschichtliche Museum sehr leicht erreichbar. Vom Südbahnhof wendete ich mich einfach zum Schweizer Garten und ging vielleicht 10 Minuten durch ihn hindurch und schon stand ich vor der faszinierenden Fassade des Museums. Der Weg war gut ausgeschildert.

Parken

Wäre ich mit dem Auto gekommen, wäre ich wahrscheinlich auch fasziniert gewesen, den das Museum hatte eigene Parkplätze für Besucher im Inneren des Areals.

Eintritt

Ich zahlte 5,10 Euro (Vollpreis) und bekam dafür eine schön gestaltete Eintrittskarte mit Werbung für die Dauerausstellungen.

Garderobe

Die Garderobe war bewacht und kostenlos.

Fotografieren

Das Fotografieren war nur gegen Lösen einer Fotografiererlaubnis möglich. So bezahlte ich 1,50 Euro und war nun mit einem Aufkleber auf meiner Jacke versehen berechtigt, die gesamte Einrichtung von oben bis unten zu fotografieren.

Gastronomie

Kurz vor dem zweiten Weltkrieg befand sich ein Selbstbedienungscafe, das einfache Speisen anbot wie etwas Gulaschsuppe, Debreziner, Würstel mit Saft und natürlich Kaffee.

Toiletten/Barrierefreiheit

Die Toiletten befanden sich hinter einem viel zu groß geratenen Vorraum in dem sich scheinbar der Jahresvorrat für Toilettepapier stapelte. Die Behindertentoilette war bei den Herren untergebracht.

Das Museum war nahezu barrierefrei. Die Stockwerke wurden durch Aufzüge verbunden, bei Stufen in den Räumen wurden Rampen eingebaut.

Museumsshop/Ausstellungskatalog

Der Museumsshop war im Cafe integriert und bot eine Vielzahl von Büchern zur österreichischen Armee. Darunter auch so manche Spezialwerke, wie ich meine.

Der Ausstellungskatalog war mit 14,50 Euro zu haben. Als Erinnerung kann man ihn sich natürlich kaufen, allerdings liegen im Museum auch kostenfreie Beschreibungsbögen in Deutsch und Englisch auf, so dass man sich auch mit diesen behelfen könnte.

Audio Guide/Führungen

Im Eintrittspreis war die Nutzung eines Audio Guide eingeschlossen. Führungen wurden ebenfalls angeboten, wobei für Schulen richtige richtige Lernpakete angeboten wurden.

Das Museum steht auch für Kindergeburtstage zur Verfügung, auf dessen begeisterten Besucher und Spuren ich während meines Rundganges auch ab und zu stieß.

Resümee

Wenn auch das Heeresgeschichtliche Museum nicht das Größte auf seinem Gebiet sein mag, so war es doch das bisher schönste für mich. An den Gang durch über die große Prunktreppe und durch die Säulenhalle werde ich noch lange denken, wenn ich die durch meinen Besuch gewonnen historischen Erkenntnisse schon längst wieder vergessen habe.

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Heeresgeschichtliche Museum Wien
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