Spielzeugmuseum in Nürnberg

Wer von Nürnberg spricht, spricht auch gerne von der Spielzeugstadt Nürnberg mit ihrem berühmten Spielzeugmuseum. Damit ich auch mal mitreden kann, aber auch aus persönlicher Neugier, besuchte ich Anfang 2003 dieses Museum im Zentrum von Nürnberg.

Lage

Das Museum liegt vielleicht drei Minuten vom Hauptmarkt entfernt und kann z.B. mit dem BUS 36, Haltestelle Hauptmarkt, erreicht werden. Ich hingegen machte an einem sonnigen Sonntag Vormittag einen Spaziergang entlang der Pegnitz und bog dann bei der Karlstraße in Richtung Museum ein. Die Museen sind in Nürnberg alle sehr gut ausgeschildert.

Eintritt

Der Eintritt kostete mir 4 Euro (Vollpreis). Vor dem Zahlen fiel mir noch eine spezielle Sammelkarte auf, die für 24 Euro den Eintritt in einigen ausgewählten Museen Nürnbergs bot (Fembohaus, Tucherschloss, Reichsparteitagsgelände, Justizpalast etc.) und ein Jahr Gültigkeit hat.

Für mich kam sie nicht mehr in Frage, aber wer gerade in Nürnberg mit dem Besichtigen begonnen hat, sollte vor dem Kauf einer Einzelkarte vielleicht nach dieser Karte Ausschau halten.

Museumsshop

Im Museumsshop gab es ein reichhaltiges Angebot, was mich persönlich aber nicht besonders ansprach. Es war vor allem für die Kleinen gedacht und bestand hauptsächlich aus Spielzeug und ein paar Bücher und Plakate über das Museum selbst oder z.B. über Puppenhäuser.

Puppenhäuser

Ich werde diesen Bericht nach Schwerpunkten gliedern, die sich für mich in diesem Museum herausgebildet haben. Da wäre zum Beispiel die Puppenhäuser. Obwohl ich als Bub nie mit Puppenhäuser gespielt hatte, war ich von den ausgestellten Häuser fasziniert. Sie zeigten nämlich indirekt, wie vor 100 Jahren die Häuser sowohl der reichen Leute als auch der ganz armen Leute eingerichtet waren.

Das Museum ist übrigens aus einer privaten Sammlung hervor gegangen und die jüngst verstorbene Besitzerin des Museums hatte zum Thema Puppenhäuser promoviert.

Eisenbahnen

Ein Gustostück im Nürnberger Spielzeugmuseum ist die von einer Privatperson gebaute Modelleisenbahnanlage, die verschiedene Epochen der amerikanischen Eisenbahn abbildet und den Bahnhof Omaha im amerikanischen Mittelwesten im Zentrum hat. Leider wird diese Eisenbahnanlage nur jedem 2. und 4. Samstag im Monat am Nachmittag in Betrieb gesetzt. Aber ein ständig abgespieltes Video zeigt eindrucksvoll jedes Detail der Anlage, wobei ganz offensichtlich die Kamera des Öfteren mit den Zügen mitgeführt wurde.

Eine Spielzeugeisenbahn git es auch im Hof des Museums, die ich aber nicht besonders sehenswert einstufe.

Übrigens, mehre Exponate können auf Knopfdruck in Bewegung gesetzt werden. Zum Beispiel die große Eisenbahn in der Lehmann Ausstellung. Es zahlt sich also aus, nach diesen Knöpfen Ausschau zu halten.

Lehmann Blechspielzeug

Ein eigener Raum war einer sehr interessanten Sammlung von Bleckspielzeug der Firma Lehmann gewidmet. Hier wurde Vitrine für Vitrine gezeigt, wie sich das Spielzeug dieser einzelnen Firma Jahrzehnt für Jahrzehnt veränderte und weiterentwickelte. Hier fand ich Zeitgeist und technologischen Fortschritt in einer Vielzahl von sich bewegenden Blechfiguren wieder gespiegelt.

So fand ich die Luftschiffe vor dem 1. Weltkrieg gleichermaßen, wie die Starfighter nach dem 2. Weltkrieg. Das hüpfende Schwein genauso wie den kletternden Affen. Oder den tanzenden Neger aus der Zwischenkriegszeit. Ein Modell, das man heute wahrscheinlich aus Political Correctness gar nicht mehr herstellen würde.

Holzspielzeug

Spannend war auch festzustellen, wie sich die Materialien bei den Spielzeugen geändert haben. So war Holz vor langer Zeit das einzig preiswerte Material für Spielzeug und ganze Städte nebst Eisenbahn entstanden vor den leuchtenden Kinderaugen aus einfachen bemalten Klötzen.

Standfiguren

Dann gab es wiederum Zeiten wo man mit Zinn oder Blei ganze Armeen auf die Böden der Kinderzimmer zaubern konnte. Hier lernte ich das sich Größe und Form der Figuren nicht nur nach der politischen Lage orientierten sondern auch die augenblickliche Wirtschafts- und Rohstoffsituation des Landes wiedergaben.

So brachten verschiedensten Spielzeugfirmen in Zeiten schlechter Wirtschaftslage miniaturisiertes Spielzeug heraus um ganz einfach Material zu sparen. Besonders beeindruckend fand ich z.B. jene Firma, die ihr Spielzeug in Streichholzschachteln verkaufte (!).

Teddybären/Puppen

Bei diesem Teil verweilte ich nicht so lange, wie bei den technischen Teilen. Aber ich konnte zumindest einen Eindruck gewinnen, wie sich der Puppenbau im Laufe der Zeit gewandelt hatte.

Teddy Coyne Kosmos

Den Teddybären war auch eine eigene Sonderausstellung im Erdgeschoß gewidmet. Dabei wurde besonders auf die vom in Nürnberg lebenden Maler Kevin Coyne geschaffene Bärenwelt Bezug genommen. Er hat mit seinen Liedern und Büchern eine Welt geschaffen, in der verschiedene Bärencharaktere leben. Das muss man sich so ähnlich wie bei den Schlümpfen vorstellen.

Hier war ich allerdings ein klein wenig empört, weil in dieser „Teddybärwelt“ auch ein „Professor“ vorkam, der in seinem Labor Kartoffelmännchen züchtete um sie zu versklaven. Ich hielt das für eine ziemlich geschmacklose Idee. Oder ist das vielleicht so gemeint, das man auf diese Art und Weise Kinder spielerisch an die Verwerflichkeit der Slaverei heranführen möchte?

Spielzeug nach 1945

Im Dachgeschoß war mir dann noch eine Zeitreise durch die Spielzeugwelt nach dem 2. Weltkrieg möglich. Begonnen wurde sie noch mit typischen nationalsozialistischen Spielen wie etwa „Wehrschach“ oder „BUMM“, dann ging es aber schon weiter mit ersten primitiven Spielzeugersatz nach dem Krieg, über die ersten Kunststoffautos zu den unvergesslichen Legobausteinen und den sich heute immer mehr herausbildenden Computerspielen.

Dieser Teil der Ausstellung war für mich aber nicht mehr so interessant, den schön langsam näherte ich mich meinem eigenen Spielzeug, das heute noch irgendwo am Dachboden rum liegt.

Kinderzone

Im Dachgeschoß des Museums entdeckte ich dann auch eine so genannte Kinderzone. Diese ist wohl so angedacht, das man hier im Museum Kindergeburtstage veranstalten kann, was ich für eine sehr gute Idee halte.

Resümee

Für viele wird das Spielzeugmuseum wohl immer nur ein schöner Traum aus herzigen Puppen und faszinierendem Blechspielzeug sein. Für mich ist es aber mehr: Es zeigt uns die Vergangenheit an Hand von Spielzeugen, dessen historisches Zeugnis ich so vorher noch nie so intensiv wahrgenommen hatte.

Quellen / Weiterführende Links